06.10.06

Regierung für ein christliches Land?



Überreste eines römischen Hauses beim Wiener Liesingbach

Wo sind eigentlich die Grünen abgeblieben? Alle anderen Parteien mischen auch vor offiziellem Verhandlungsbeginn eifrig mit im Koalitonspoker, selbst die knapp über 4%-Partei BZÖ. Ganz sind die Grünen nicht von der Bildfläche verschwunden - sie wollen den 3. Nationalratspräsidenten (oder die Präsidentin) stellen, auch wenn sie mandatsmäßig doch nur Vierte sein sollten. Das nenn ich ein ambitioniertes Programm nach der Wahl! Besonders, weil die Grünen immer versuchen, als Vierte doch ins Präsidium zu kommen....

Allenthalben wird diskutiert, dass die von der SPÖ vorgeschlagene Grundsicherung unfinanzierbar sei. Aber nicht doch - wer sagt denn, dass die Marie aus dem Staatshaushalt kommen muss? Heute wird auch der Tod des "reichsten Österreichers" Friedrich Karl Flick gemeldet. Übrigens ein Zuwanderer, ein (Steuer-) Flüchtling aus Deutschland, verheiratet mit einer Österreicherin. Da das Erbe 6 Milliarden Euro betragen soll und die Grundsicherung so um die 660 - 700 Millionen Euro kosten soll, könnte sich dieses positive Beispiel von Integration und interkultureller Partnerschaft doch mal segensreich für uns Ösis auswirken.

Flick, der vor allem Erbe war, ist berüchtigt für seinen Vater, der durch die Ausbeutung von NS-Zwangsarbeitern ein Vermögen verdiente. Auch unter diesem Aspekt wäre eine Spende an arme Menschen im Gastland eine Geste . um posrtive Assoziationen zu "Flick" zu bekommen. Einstweilen seien die GegnerInnen der Grundsicherung aber auf eine eigene Webseite zum Thema verwiesen - übrigens von der Katholischen Sozialakademie geschaffen.

Da in der ÖVP vielen offenbar nicht bekannt ist, dass solche Modelle in christlichen Kreisen propagiert wird, erklärt sich der Verlust auch bei katholischen WählerInnen. Man weiss anscheinend nicht mehr, was diese Menschen bewegt und welche Ideen sie gegen die Not haben, die es auch in Österreich gibt und an der sie - wohl auch als gute ChristInnen - nicht vorbeischauen können. Natürlich wurde "der Sieg des Pyrrhus" inzwischen mit Teil 3 fortgesetzt.

No more moon, honey! kann das Verhältnis "der Medien" zu Gusenbauer beschrieben werden... diese interessieren sich besonders dafür, ob nicht vielleicht eventuell doch - schwarzblauorange, was denn sonst? Peter Westenthaler (4% und ein paar Zerquetschte) ist ein gefragter Interviewpartner im Gegensatz zu Alexander van der Bellen (10,5% ).

Apropos Christentum: als Nichtchristin schlage ich statt "Leopoldi" (c Gusenbauer) Samhain (Halloween) als Ziellinie für die Regierungsverhandlungen vor. Immerhin waren es auch unsere Vorfahren, für die von 31. Oktober auf 1. November eine besondere Nacht war, mit zwischen den Welten durchlässigen Grenzen.

Wallfahrtsrouten, Brauchtum, an einst schon heiligen Orten errichtete Kirchen und in den christlichen Glauben integrierte "Heilige" sind Spuren unserer Vorfahren, denen auch heutige Politiker(innen) folgen. Dennoch hat die römische Besatzung anscheinend nie geendet, arbeitet der ORF doch an einer aufwendigen Doku über das Leben im römischen Carnuntum und hat ein Sonderheft von Universum dazu passend herausgebracht. Dabei hat unsere Hauptstadt einen keltischen Namen (Uindobona = weisse Stadt oder weisse Kuh - letztere ein Fruchtbarkeitssymbol, das für eine Urgötton steht) und liegt an einem Fluss mit keltischem Namen (Donau = Dana = Große Göttin).

Beten PolitikerInnen, meist bei hohen Anlässen, im Stephansdom, so betreten sie einen Ort, der einst Kultplatz war, zwischen stilisierter Vulva und stilisiertem Penis neben den Toren - den Stephandom. Welches vernünftige Volk feiert einstige Besatzer auch nach 2000 Jahren noch als Vorfahren und Kulturbringer ab? (Ergänzend sei gesagt, dass wir auch im "Haus Wien Energie" in der Mariahilfer Strasse eine Ausstellung über Carnuntum besuchen können, in der die eigentliche Bevölkerung Österreichs vor 2000 Jahren mit keinem Wort erwähnt wird).

Dabei war "bei uns" nicht nur die Hallstatt-Zeit, denn auch aus der La Tene-Zeit gab es weit mehr Funde am Dürrnberg bei Salzburg (unter anderem das reich ausgestattete Grab einer Priesterin). Entstand die später vor allem für Gallien, Albion, Eire und Iberien bekanntgewordene keltische Kultur um die beiden ältesten Salzbergwerke der Welt herum, in Oberösterreich und Salzburg? Wie dem auch sei - weder die Wurzeln Europas noch Österreichs sind christlich, auch wenn heute gern so getan wird (und wir als Schülerinnen nur durch den Filter römischer Propaganda aus Casärs Feder etwas über unsere Vorfahren lernen...)

English: The media focus seems to shift towards a right wing coalition, the "honeymoon" between Gusenbauer and the leading daily papers is over now. articles and commentaries critize the ideas of the Social Democrats to create more social balance. As the negotiations should be - as Gusenbauer's wish - finished at a christian holiday we point out that Austria has no christian roots, indeed also no roots in "classic civilization" as two celtic aeras arose from Austrian soil, the Hallstatt period as well as the La Tene period La Tene is in Switzerland but much more archaeological findings are made in Dürrnberg, Salzburg; among them the grave of a high female priest). Though only a minority of Austrians is aware of our celtic heritage it could even be possible that celtic culture began here - and was then known for later spheres of influence in France, Britain; Ireland, Spaln.

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