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08.08.07

Wie feministisch ist Alice Schwarzer?

Feminismus-"Ikone" Alice Schwarzer wirbt für die Bild-Zeitung, freiwillig, auch wenn das manche treue Fans zuerst nicht glauben können. JEDE WAHRHEIT BRAUCHT EINE MUTIGE, DIE SIE AUSSPRICHT - als ob die Bild-Zeitung es mit der Wahrheit allzu genau nehmen würde wie der Bildblog täglich aufzeigt. Viele erinnern sich an die Enthüllungen von Günter Wallraff, die auch für mich in Graz Pflichtlektüre waren. Ich war ganz stolz, als ich 1982 mein allererstes Interview mit ihm führen konnte. Als Bild 50 Jahre alt wird, stellt Wallraff diese Seite ins Netz. (Satire links aus der Titanic)

Für die Berliner Zeitung ist Schwarzer nur konsequent "endlich unter der Haube" und vertritt Spießerfeminismus und Islamphobie. Wer sich der Islamfeindlichkeit nicht anschließt, gerät leicht ins Kreuzfeuer der Kritik wie es der Rechtsprofessor Mathias Rohe in Erlangen- Nürnberg erleben mußte. Seltsam war schon vor Jahren, dass Schwarzer nicht bereit war, ein einziges Mal mit Bascha Mika zu reden, die sie porträtieren sollte. Das Buch erschien trotzdem, nur kamen halt auch KritikerInnen zu Wort - und prompt gab es auch eine Biografie von einem mit Schwarzer befreundeten Ehepaar (beide Bücher sind gemeinsam bei den Ceiberweibern vorgestellt).

Mikas Erfahrungen kann ich nachvollziehen, doch war es enttäuschend zu erleben, dass sich Alice Schwarzer bei einem Besuch in Wien von einer Frau nicht interviewen liess, aber wohl mit einem ganz begeisterten jungen Mann flirtete, der zu einem Presseteam gehörte. Ich konnte sie, bei einer Signierstunde, überhaupt nur deswegen ganz kurz ein par Fragen auf Band beantworten lassen, weils auch peinlich ausgesehen hätte, mich hängen zu lassen. (Eigentlich muss man die Interviewwünsche bei ihrem Büro in Köln deponieren, doch die gaben mir nicht Bescheid.)

Dann fand keine Autorisierung statt, obwohl ich alles vor einer Schwarzer-Abendveranstaltung transkribierte und nach Köln faxte, aber nie eine Reaktion erhielt. Es erschien eben nach ein paar Tagen unautorisiert (soll sie mich klagen, mir doch egal, nur peinlich für sie, dachte ich mir). Niemand hat je solche Zicken gemacht (okay, bis auf Che Guevaras Sohn, der zum vereinbarten Termin gar nicht erschien :-), gerade in der Politik etwa läuft alles freundlich und professionell ab und auch mit Wertschätzung. Was solche Aha-Erlebnisse für Frauen bedeuten, für die EMMA einst eine wichtige Begleiterin war, kann Schwarzer entweder nicht abschätzen oder es stört sie nicht.

In Schwarzers Gästebuch kann frau lesen, wie viele Fans zuerst dachten, Bild hätte Schwarzer heimlich auf Plakate gedruckt. Etwas naiv sicher, aber es zeigt, welche Hoffnungen manche in sie setzen, immer noch. Ich finde sie amüsant und charmant, wenn sie irgendwo öffentlich redet oder im TV zu Gast ist, aber die Distanz ist hier das Schüsselwort. Feministische Gedanken zu allen möglichen aktuellen Ereignissen formulieren bringe ich selber ganz gut und manchmal wohl auch besser auf die Reihe. Enttäuschend und überraschend war für einige der Kampf gegen den Islam, doch für mich hat Schwarzer die Grenze bereits bei ihrem Buch "Eine tödliche Liebe" über Petra Kelly und Gert Bastian überschritten.

Es ist eine jener Grenzen, nach deren Passieren es kein Zurück mehr gibt, da man immer mehr von dem annimmt, was auf der Seite der Grenze liegt. Was das Buch so fies macht, ist im Detail in Warum demontierte Alice Schwarzer Petra Kelly? bei den Ceiberweibern ausgeführt. Zufall oder nicht, der Stil und die Konnotationen, die besonders Kelly, aber auch Bastian verpasst werden, erinnern an jene Literatur, die graue Propaganda heisst und von Hintergründen ablenken soll. Keineswegs durch pure Erfindungen, sondern durch Halbwahrheiten, unzulässige Schlussfolgerungen und psychologisch ausgefeilte Beiworte.

Dadurch werden Kelly und Bastian, am 19.10.1992 tot in ihrer Wohnung aufgefunden, laut Polizei durch Mord/Selbstmord umgekommen, wie ein ganz normales Paar dargestellt, das in einer schwierigen Beziehung lebte, die unausweichlich auf eine Tragödie zusteuerte. "Schwierig" mag die Beziehung ja gewesen sein, aber der Alltag eben ganz anders als wenn man von 9 bis 5 arbeitet und sich darüber in die Haare kriegt, ob man ein zweites Auto kaufen soll oder nicht, und das waren dann auch schon die Aufregungen des Lebens an einem normalen Tag.

Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muß so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz grade noch zuläßt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun. Max Goldt über die Bildzeitung, die das CIA-Opfer Khaled al Masri verfolgt

Schwarzer ist besonders brutal zu Kelly, als es um die traumatischen Erfahrungen der gezielten Verfolgung durch die seltsame LaRouche-Organisation geht, die sie richtiggehend mit allen Mittel stalkt, als sie Spitzenkandidatin bei den Bundestagswahlen 1983 ist und die Grünen dann erstmals im Parlament sind (Details dazu im Artikel). Frau stelle sich vor, dass sie einem anderen Stalkingopfer vorwirft, doch nur eine Ausrede, einen "Grund" für diffuse Ängste gefunden zu haben (wer wird sich denn weiter aufregen bei Drohungen, Hetzkampagnen, Inseraten, die einen in Nazinähe rücken, dem Auftauchen von Widmungen aus Büchern daheim in Zeitungen veröffentlicht, der ständigen Gefahr, dass Stalker nicht nur in Deutschland bei Veranstaltungen auftauchen? "sie liess sich terrorisieren", meint die "Feministin" lapidar).

Schwarzers Buch dient mit dem Argument, dass Bezeichnungen wie "Doppelselbstmord" typisch patriachale Verharmlosungen sind, zur Untermauerung der Feststellung, es habe keine Einwirkung Dritter gegeben. Warum dazu aber Kelly posthum eine nach der anderen reingewürgt werden muss, bleibt rätselhaft - es sei denn, Mitgefühl soll verhindert werden, weil dies auch zu Zweifeln führen kann. Schwarzer bringt sogar ihre eigene Biografie ein, um Kelly daneben als schwach zu zeichnen: sie selbst hatte einen tollen Großvater, Kelly aber nur eine ungewöhnliche Grossmutter, die dem Mädchen irrigerwiese vermittelte, die Welt stünde ihr offen.

Schwarzer hat weder Ahnung von Rüstungsfragen, den Auseinandersetzungen um die sog. Nato-Nachrüstung noch vom Kampf um die Grünen oder gar davon, wozu Geheimdienste fähig sind. Dennoch maßt sie sich an, Kelly als ängstlich, ohne Mann hilflos, nur symbolischer Politik zugetan, von diffusen Ängsten geplagt (die nichts mit LaRouches Aktionen und anderem zu tun haben), klammernd, den Inhalten der Frauenbewegung hinterherhinkend (die Schwarzer stets mit der EMMA verwechselt), und als inhaltlich von Männern abhängig hinzustellen. Sich mit Rüstungsfragen und Atomkriegsgefahr zu befassen erschöpft sich nun mal nicht darin zu sagen: ich bin eine tolle Feministin die Waffen sind alle so böse patriarchal, ich finde die aus dem Bauch heraus ganz furchtbar.

Ich habe mich auch mal mit solchen "Männerthemen" beschäftigt und beispielsweise umfassend über "Neutralität und EU" recherchiert, mit Quellen, die in Österreich ansonsten noch niemand herangezogen hatte. Damit macht frau sich besonders bei Frauen nicht beliebt, aber auch bei jenen nicht, die derlei Wissen verhindern wollen. Ja klar, in dieser Zeit lief ich nicht von Frauenmeeting zu Frauenmeeting, um das Patriarchat zu beklagen. Ich denke mal, wenn ich einiges auch selber checken konnte, wird das auf Frau Kelly auch zugetroffen haben, selbst mit einem Ex-General als Freund.

Was die diffusen Ängste betrifft, so stellen die Bedrohungen durch die LaRouche-Organisation für Kelly wohl den Punkt des Verlustes der Welt dar. Das ist die erschütternde Erfahrung, dass scheinbar fix geltende Regeln, was alles möglich ist und was nicht, plötzlich obsolet sind. Da muss man es schaffen, die Welt wiederzufinden und zu ertragen, dass sie nie wieder so sein wird wie vorher, man hat die Unschuld verloren. Man muss lernen, übelste Provokationen und Diffamierungen zu überstehen, den Verlust von durch Intrigen aufgehetzten Freunden, auch den Verlust der materiellen Existenz, auch mehrmals. Besonders schlimm ist auch das Wissen, dass diese illegalen Aktionen gegen integre Personen weder ein NATO-Staat noch ein neutrales Land dulden darf, es aber tut.

Hast du noch eine Heimat, bist du staatenlose Staatsbürgerin oder schlicht "AusländerIn im Ausland", vor Willkür nicht geschützt durch die amerikanischen Verfassung? Wenn du die Europäische Menschenrechtskonvention hast, die dein Staat mit der Verpflichtung unterschrieben hat, sie zu wahren, kannst du dir damit die Wände deiner Toilette tapezieren. Frau Schwarzer, würden Sie dies aushalten, Sie ach so starke Frau? Würden Sie es wagen, dem ins Auge zu sehen und den Kampf gegen "die" aufzunehmen? Einen Kampf, für den es keine Mobbingberatungsstelle, keine Opferhotline, kaum Vorbilder gibt, wo jeder Schritt selbst erdacht sein muss?

Jutta Ditfurth wird das zwar nicht gerne hören, aber irgendwie ist sie, in all ihrer Unermüdlichkeit, doch auch eine Gezeichnete. In ihren Abrechnungen mit dem Grünen betont sie, dass sie sich nicht von der CIA anwerben liess, während andere weniger Hemmungen hatten. Ich kann verdammt gut nachfühlen, wie das für sie gewesen sein muss, und auch die Erschütterung über die Entwicklung der deutschen Grünen nachvollziehen, weils hierzulande ja ähnlich ist. Aber muss sie dann beinhart auch bei anderen abrechnen, besonders bei EsoterikerInnen, die ja nicht alle "braun" sind? Im Web findet man fassungslose Reaktionen aus dieser Szene, da die meisten aus den konkreten Andeutungen über die Grünen nicht erahnen, wie schlimm es für Ditfurth gewesen sein muss, und auch irgendwie stellvertretend seh streng beurteilt werden.

Ein Beispiel ist der Schlagabtausch Jutta Ditfurth - Nina Hagen bei Maischberger und bei Kalkofe parodiert, der impliziert, Hagen kriege gar nichts mehr vom Weltgeschehen mit.
Nina Hagen klagt in ihrem Blog
über diese Ungerechtigkeit, und der Blog an sich zeigt schon, dass hier auch politisch gedacht wird. Esoteriker wehren sich gegen den Kampf der radikalen Linken gegen Esoterik, und Ditfurth wird sogar im "Spiegel" lobend erwähnt gegen Trutz Hardo (wo der Spiegel ansonsten gar nicht so Ditfurth-freundlich ist). Trutz Hardo schreibt an Jutta Ditfurth, die ihm Antisemitismus vorwirft, weil er eine Reinkarnation einstiger Täter als Opfer und umgekehrt für üblich hält. Das klingt vielleicht abgefahren, ist aber noch immer keine Holocaustverharmlosung (auch wenn manche sich in Gedanken versteigen, dass die Opfer eh längst z.B. als Deutsche wieder leben).

Ditfurth ist Abgeordnete im Frankfurter Römer, für die Ein-Frau-Nichtfraktion Ökologische Linke, für die alle anderen Parteien praktisch eins sind. Ihre Gruppe sieht 9/11 nicht als islamischen Terrorismus, sondern als Kampf zwischen Kapitalinteressen, was ja schon mal ein Ansatzpunkt ist. Näheres fand ich dazu leider nicht, obwohl die 911 Truth Bewegung immer Verstärkung gebrauchen kann. Apropos: 60 nichtbeantwortete Fragen an die US Embassy / CIA in Österreich, voila, seit 6. August 2007 bei uns im Web.

Außerdem: Nie wieder Hiroshima und Die Märchen des Spiegel (Teil 1) und Video- und Audio-Webtipps zu 9/11 und Merkwürdigkeiten um die Geisterflüge und der Summer of Love mit Musikvideo-Links....

PS: Um das in Worte zu fassen, was mich bei Ditfurth etwas befremdet: es sieht mir aus wie ein Verlust der Freude, während ich möglichst viel normalen Alltag wiederhaben will, Sonne, Baden, Tiere, Lesen, was Unternehmen - und nicht alles, was mir vielleicht naiv vorkommt oder wo möglicherweise bedenkliche Tendenzen sind, auch kommentieren, mich damit befassen "müssen". Ich denke, dass ich auch so ganz schön viel an kritischem Output habe :-)

23.05.07

Putin in Wien / Trendstories gegen Frauen

1. Seit Mittag ist der russische Präsident Putin in Wien - zwar wird auch in der Innenstadt abgesperrt, dennoch merkt man wenig, wenn man nicht gerade über Gegenden stolpert, in denen Polizei ist. Der Bush-Besuch letztes Jahr war präsenter, weil alle was von weiträumigen Abriegelungen mitbekamen. Und es gab Demos und andere Gegenveranstaltungen, während sich der Protest diesmal auf von den Parlamentsgrünen und dann auch von den Wiener Grünen organisierte Aktionen beschränkte. Sie waren sozusagen umgekehrte Jubelperser - aber man kann auch ironisch anmerken, dass sie damit nur zeigten, dass Österreich eine Demokratie ist, wo man so einfach demonstrieren kann (im Gegensatz zur GUS, wie sie meinen).

Manches, was an Drumherum berichtet wird, war bei Bush wohl auch nicht anders: das Hotel eine fürstliche Unterkunft, das Bankett ebenfalls an frühere Zeiten erinnernd, und wie Bush reiste Putin nicht in der Economy Class, sondern mit eigenem Flugzeug an. Von Wien - und davon, dass diese Stadt von Menschen bewohnt wird - dürfte Putin mehr gesehen haben als Bush. Das Besuchsprogramm umfaßte die üblichen geschichtsträchtigen Innenstadtbereiche (derlei wird offenbar nach den Wünschen der Gäste immer wieder leicht modifiziert). Das Fernsehen zeigte mehrmals Putin in der Hofreitschule und erklärte am Abend schließlich, dass die Putins selbst Pferde haben (allerdings Araber aus Russland und aus dem Nahen Osten).

Im Vorfeld wurde kritisiert, dass man Putin nicht einfach so mit nicht zuvor eingereichten Fragen interviewen kann (weil das z.B. bei Bush ohne weiteres möglich ist?!). Dann gab es eine Pressekonferenz (Putin und Bundespräsident Fischer), wo österreichische und russische Medienleute jeweils drei Fragen stellen konnten. Hiesige konzentrierten sich auf Menschenrechte und ernteten den Hinweis, dass auch Österreich vom Gerichtshof für Menschenrechte wegen Polizeimethoden im Umgang mit Asylwerbern kritisiert werde, es daher unfair sei, jede Verfehlung von Beamten einem Land pauschal anzulasten (jetzt mal sinngemäß gesagt). Naja, wie wäre es, wenn Gusenbauer zum "Folterkanzler" würde, weil unter den acht Millionen Einwohnern Polizisten sind, die nichts dabei finden, Asylwerber unabsichtlich zu ersticken oder die sie so sehr prügeln, dass von Folter gesprochen werden kann?

Erst recht kann in einem Land mit mehr als 20 mal so vielen EinwohnerInnen nicht absolut alles dem Oberhaupt persönlich angelastet werden, als ob dieses eine böse Anordnung nach der anderen träfe und dann reihenweise Menschen sterben oder verhaftet würden. Freilich muss kritisiert werden, wenn nach dem Bekanntwerden von Vorfällen nichts unternommen wird - aber Abwiegeln, Wegschauen, Polizei verteidigen ist durchaus auch eine "westliche Tugend". Eine weitere Gemeinsamkeit zeigen Bilder von Verhandlungen zwischen heimischen Wirtschaftsbossen und russischen Oligarchen: die Geschäftswelt ist eine Männerwelt, Frauen fehlen auf dieser Ebene vollkommen....

Somit sind wir bei 2.: Jetzt ist erst Mitte der Woche, und schon wurde ich (gemeinsam mit vielen anderen Frauen) zuerst zur radikalen Kindergegnerin erklärt und dann zur verhärmten, frustrierten Feministin. Das "Profil" (21.5.2007) hat auf dem Titel die "Späten Mütter", prügelt im dazugehörigen Artikel aber immer wieder kinderlose Frauen (die warten ja so lange, dass es zu spät ist für späte Mutterschaft):

Diese werden in drei "Typen" /Schubladen eingeteilt: die radikalen Kindergegnerinnen, die zu lange Zögernden und Frauen, die aufgrund von Lebenskrisen kinderlos bleiben. Schwangerschaft ist also der weibliche Normalfall (auch weil es nicht zur Norm des psychisch gesunden Menschen = Mannes gehört?), und wer diesen nie erreicht hat, der droht, so ein zitierter Experte, eine große Depression zwischen 40 und 50. Ein Stück weit hab' ich nun schon in dieser Altersgruppe zurückgelegt, aber die Depression hat sich noch nicht eingestellt (vielleicht mit der Menopause, wenn ich nicht immer dann die Tage kriege, wenn soooo schönes Badewetter ist? :-)

Weiteres zum Profil-Artikel und die CeiberWeiber-Anmerkungen hier nachzulesen - es sei aber noch darauf verwiesen, dass nur kinderlosen Frauen unterstellt wird, ein Nicht-Sein impliziere radikale Gegnerschaft. Nachdem ich mich weder für das Modell Lebenskrise noch die Strategie Zögern so recht erwärmen kann, bekommt das Nichtbedürfnis nach Nachwuchs also das Label radikale Kindergegnerinnenschaft. Zwar würde ich beispielsweise die Tatsache, keine Kanarienvögel zu haben, nicht als radikale Kanarienvogelgegnerschaft interpretieren (eher als Vogelfreundlichkeit, da sie ein gefundenes Fressen für die Katzen wären) und meinen Wohnsitz Wien nicht als radikale Grazgegnerschaft (ich lebe nicht mehr in der steirischen Hauptstadt), aber bei Kindern und weiblichen Geschlechtsmerkmalen ist alles ganz anders.

Vermutlich müssen sich die Mütter erwachsener Kinder bald auch als radikale Kindergegnerinnen einstufen lassen, wenn sie nicht bereit sind: a) spät nochmal zu gebären und b) den Nachwuchs ihrer Töchter zu hüten. Von Männern ist in diesem Kontext natürlich nie die Rede - die könnten sogar gut getarnt und dauerhaft unerkannt radikale Kindergegner sein, ohne dass es jemand merkt, reicht doch eine gut platzierte Samenspende und eine Partnerin, die nicht verhütet. Der nächste Hammer ist eine "Falter"-Story über einen angeblich neuen Feminismus (23.5.2007), wo bereits das Titelbild u.a. mit der Zeichnung eines Frauenhinterns mit Strapsen Schlimmes erwarten läßt.

Im Blatt schreibt dann Sybille Hamann, die unverständlicherweise an einem "Buch über die Frauenfrage" arbeitet (für die Lager und Altpapiercontainer oder als Trost für Eva Herman?): Wie eine Feministin ausschaut, weiß jeder. Streichholzfrisur, Henna, Walleröcke aus den Achtzigern, flache Schuhe. Redet zu viel und immer dasselbe. Humorlos, penetrant, mühsam, nervt. Definitiv unsexy. Meistens ein paar Jahre zu alt. Wahrscheinlich neidig, weil alle anderen einen Mann haben, bloß sie hat keinen abgekriegt. Eigentlich seltsam, wie allgegenwärtig das Klischeebild von der verhärmten, frustrierten Feministin seit dreißig Jahren ist – ohne dass man ein Exemplar der Spezies oft zu Gesicht bekäme. Nicht einmal Alice Schwarzer, die Oberhexe, hält, was ihr Ruf verspricht. Kaum erlebt man die aus der Nähe, ist man baff: Da steht eine sprühende, schlagfertige Frau, die schon einiges erlebt hat, sicher viel Spaß hat, schöner ist als die meisten ihrer Alterskohorte und gern auch mal in die Rolle der Ulknudel kippt. Flache Schuhe: Ja. Aber verhärmt? Nicht wirklich."

So in dem Stil gibts dann noch einiges, und Hamann erweist sich als unfähig, jenseits des Aufzählens von Klischees kreativ zu sein. Was irgendwie noch positiv klingt, ist dann eine Zusammenfassung von Alice Schwarzers neuestem Buch (Hamann denkt also nicht selber feministisch, sondern stellt Männersicht an den Anfang, ohne sie je in Frage zu stellen). Mehr dazu in einem Kommentar bei den CeiberWeibern - aber sehen wir uns trotzdem die Klischeeladung auch hier nochmal an: Streichholzfrisur, Henna, Walleröcke aus den Achtzigern, flache Schuhe. Redet zu viel und immer dasselbe. Humorlos, penetrant, mühsam, nervt. Definitiv unsexy. Meistens ein paar Jahre zu alt. Wahrscheinlich neidig, weil alle anderen einen Mann haben, bloß sie hat keinen abgekriegt. Verhärmte, frustrierte Feministin.

Streichholzfrisur?
- Lange Haare, rötlichbraun mit blonden Strähnen (von Natur aus so, auch ein paar graue Strähnen sind dabei) Henna? siehe Frisur. Walleröcke? Hosen, manchmal Jeans. Aus den Achtzigern? Vielleicht ein paar Bücher, ja auch feministische. Flache Schuhe? Welcher Mann fährt mit High Heels Rad? Eben. Redet zu viel und immer dasselbe? Redet auf jeden Fall keine Sekunde mehr als nötig mit mühsamen, penetranten, humorlosen, nervenden und daher unsexy Typen, die meistens ein paar Jahre zu alt und wahrscheinlich neidig sind, dass viele Frauen mit ihrer Zeit besseres anzufangen wissen, als sich mit mühsamen, penetranten, humorlosen, nervenden und daher unsexy Typen abzugeben.

Weniger verblümt gesagt: Antifeministen sind langweilige Saftsäcke mit zu wenig Haaren auf dem Kopf und zu viel Ringen um den Bauch, die an Selbstüberschätzung leiden und meinen, sie selbst seinen ein Geschenk Gottes an Frauen Mitte 20 und überhaupt ganz brillant beispielsweise als Journalisten. Ja, eigentlich müßte ein Kommentar zu Sexismus in Medien so beginnen, statt gleich die Unverfrorenheiten zu zitieren, mit denen frau sich auseinandersetzen muss. Damit klargestellt ist, dass vollkommen irrelevant ist, was irgendwelche Saftsäcke in Auftrag geben, die ja doch nur kaschieren wollen, wie verhärmt und frustriert sie sind....