Immer wieder merke ich, dass viele Leute jede Erwartung an die Politik verloren haben, dass sie nicht nachvollziehen können, wieso ich Akteure verteidige, irgendwie verstehen kann, warum sie so und nicht anders handeln. Machterhalt um jeden Preis ist natürlich die Grenze dessen, was man nicht mehr rechtfertigen kann, aber es ist wahrscheinlich nicht so einfach einzuschätzen, wo jemand nur mehr auf dieser Basis agiert, ohne noch positive Ziele und Ideale zu haben.
Viele fühlen sich auch einfach im Stich gelassen mit ihren Anliegen, wie jene Menschen, die heute für ein Gentechnik-Verbot demonstrierten und mit denen ich interessante Gespräche am Rande führen konnte (hier ist übrigens der versprochene Artikel). Ich wurde dann auch ein bisschen rumgereicht so nach dem Motto, eine Journalistin, die wegen ihrer Ideale und ihrer Zivilcourage den Job verloren hat. Natürlich weiss niemand so auf die Schnelle etwas, aber das Reden und der Austausch von Mailadressen hat schon was Tröstliches.
Stark ist der Trend, sich Nischen zu suchen, was viele Menschen tun, die man/frau sich eher in gesellschaftlicher Solidarität und politischem Kampf wünschen würde. Aber andererseits kann man es auch niemandem verdenken, und solange Engagement nicht aufgegeben, sondern auf einer anderen Ebene fortgeführt wird, ist es auch okay, den eigenen Weg zu finden. Wer sich einmal für etwas eingesetzt hat, kann davon ja nicht ganz lassen, es wird halt auch viel Energie in das Schaffen von alternativen Lebensformen fließen.
Eine liebe neuer Bekannte schickte mir dieses Video "Dog, Cat and Rat" zur Aufheiterung, und auch den Link zu einem Tierfotografen, dessen Bilder ich sicher schon seit mehr als 20 Jahren kenne (und danke auch für die Musik :-). Die Demo, bei der ich sie dann auch getroffen habe, hat sie übrigens von einer Regenwald-Organisation, die in der Linkliste beim Demobericht glatt fehlt, aber nun eben hier verlinkt ist.
Inzwischen bin ich bei xing, habe dort auch schon die erste Einladung bzw. Mail bekommen, von der Betreiberin der "Mußekunst", die sich unter anderem als freie Journalistin durchschlägt, also irgendwie auch eine nette Leidensgenossin ist. Nicht via Web, sondern ganz traditionell per Telefon habe ich etwas vereinbart mit einem Journalisten, der mir weiterhelfen will (davon abgesehen, dass ich inzwischen auch einen pensionierten Wirtschaftsjournalisten getroffen habe, mit dem ich auch in Kontakt bleiben will).
Der Blogger Imponderabilien wollte mich schließlich mit einem kleinen E-Book von Paolo Coelho aufmuntern und machte mich zudem auf einen Essay von Guy Debord aus dem Jahr 1978 aufmerksam, den alle via Web nachlesen können. "Die Gesellschaft des Spektakels" beschreibt Inszenierungen, die ihr eigenes Ergebnis sind. Oder auch: Die Mittel des Spektakels sind zugleich ihr Zweck.
28.02.09
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