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09.08.07

Prima Klima für Andreas Wabl

Auf der Suche nach den "besten Köpfen", die Kanzler Gusenbauer nach eigenen Worten permanent betreibt, stolperte er irgendwann über Andreas Wabl, bis 1999 für die Grünen im Parlament. Wabl platzierte sich unübersehbar, etwa im Personenkomitee für Heinz Fischer und hat wohl auch auf den SPÖ-Festen, wo er in letzter Zeit immer wieder gesehen wurde, laut HUHU DA BIN ICH! gerufen.

Und schwupps muss er sich nicht mehr mit dem Einkommen als Mediator begnügen, das nach den fetten Abgeordnetenjahren kam....Welch "beste Köpfe" Gusenbauer wohl verborgen bleiben, wenn er seine Aufmerksamkeit auf SPÖ-Personenkomitees und -Feste und auf seine Geschlechtsgenossem richtet, können wir wohl nur erahnen. Wenig ist zu Wabl als Nicht-Mehr-Abgeordneten zu finden, nur dass er bei einer Diskussion über den Erfolg der KPÖ in der Steiermark meinte, es müsse schon Fehler bei den Grünen gegeben haben, wenn sich Grüne bei der KPÖ wiederfinden.

Von 1999 gibt es ein Zitat in einer Arbeit über österreichische politische Zustände: Vielleicht noch deutlicher wird der alltägliche Antisemitismus aber in der Unbefangenheit, mit welcher Sätze wie der folgende selbst Parlamentariern der Grünen über die Lippen kommen. Anlässlich der Ablehnung, das Palais Epstein, in dem bisher der Wiener Stadtschulrat residiert hatte, als „Haus der Geschichte“ zu nutzen, erklärte Andreas Wabl (zit.n. Menasse, 1999, 83): „Wenn wir jedes Haus, das irgendwann einmal von einem Juden gebaut worden ist, heute irgendwelchen antifaschistischen Institutionen geben, dann können wir selbst bald überall ausziehen!“.

Die ÖVP mißt Wabl jedoch am Thema Klima und richtet auch schon eine Anfrage an Gusenbauer, wie eine Aussendung der Abgeordneten Silvia Fuhrmann zeigt: Medienberichten ist zu entnehmen, dass Bundeskanzler Dr. Gusenbauer heute den früheren Nationalratsabgeordneten Andreas Wabl zu seinem Klimaschutzbeauftragten bestellt hat. Dies ist insofern interessant, da damit zwar ein langjähriger Abgeordneter der Grünen mit der
Funktion eines Klimaschutzbeauftragten betraut wird, dieser allerdings genau in diesen Fragen des Klimaschutzes sowie allgemein in Fragen des Umweltschutzes bislang kaum von sich reden gemacht hat.

Im Nationalrat hat sich Wabl vielmehr mit Fragen des Rechnungshofes
auseinandergesetzt - so war er z. B. in der XX. Gesetzgebungsperiode
Obmann des Rechnungshofausschusses - er war aber auch mit Fragen der
Landesverteidigung und der Landwirtschaft befasst.

Der unterzeichnete Abgeordnete stellt daher an die Präsidentin des
Nationalrates folgende Anfrage:

1. In welchen Ausschüssen des Nationalrates war der frühere
Nationalratsabgeordnete Andreas Wabl als Mitglied tätig?
2. War der frühere Nationalratsabgeordnete Andreas Wabl jemals
offizielles Mitglied im Umweltausschuss?
3. War der frühere Nationalratsabgeordnete Andreas Wabl jemals
offizielles Ersatzmitglied im Umweltausschuss?
4. Welche Abgeordneten zum Nationalrat waren in der XVIII.
Gesetzgebungsperiode Mitglieder des Unterausschusses des
Umweltausschusses, der in 15 Sitzungen Maßnahmen zur Reduktion der
Treibhausgase in Österreich beraten hat?

Das ist wohl auch eine Vermischung der Begriffe "grün" und Umweltschutz. "Grün" bedeutet seit 1986 sowieso etwas anderes als zuvor, weil damals die Alternativen bis auf Wabl von sicheren Mandaten verdrängt wurden für Karrieristen vor allem aus dem SPÖ-Umfeld. Jene Karrieristen hatten vorher mit Öko nichts am Hut und lachten nur über Leute, die sich die Hacken abrannten (auch, um jemanden wie Wabl ins Parlament zu bringen). Wabl hätte sich damals widerständiger verhalten können, tat es aber nicht; und erst recht blieb er Einsatz schuldig, als es in den frühen 90er Jahren Auseinandersetzungen zwischen den letzten echten Grünen in den Grünen und den zahlreich vermehrten Künstlichgrünen gab.

Es ist schwer, sich da an auch nur eine Begebenheit zu erinnern, bei der Wabl eine Rolle spielte - er war immer einer, der eher mit den Alternativeren stimmte, ohne sich aber zu exponieren. Somit führte er ein ruhiges parlamentarisches Leben mit immerhin 13 Jahren Abgeordnetengehalt, teils auch mit Klubobmanngage. ÖVP und Co. können sich also wieder einkriegen und auch mit der Behauptung aufhören, Wabl sei irgendeine Art rotgrüner Vorleistung. Denn die Grünen, diese Grünen, brauchen rein gar keine Geschenke, um sich brav in die Rolle einer angepassten "Opposition" zu bescheiden. Schliesslich sind damit auch nette, gut bezahlte Pöstchen verbunden, Dritte Nationalratspräsidentin oder dritte Volksanwältin im Proporzsystem.

Der Wabl von früher war witzig und gut drauf, immer für Späße zu haben. Mal landeten nach einer Sitzung er, sein Bruder Christian, eine andere Studentin und ich irgendwo in der Einöde in einer leeren Disco, wo wir uns dauernd "Major Tom" spielen liessen. Dann hatten wir Lust zu Schwimmen und steuerten einen Schotterteich an, und im Morgengrauen waren wir wieder in Graz. Die Wabls waren Lehrer, Andreas bei der Wahl 1983 Spitzenkandidat der ALÖ in der Steiermark, für die Dauer des Wahlkampfes karenziert bei vollen Bezügen (wäre egal gewesen, auf welchem Listenplatz).

Auch bei echten Grünen gab es konservativere Leute, und da war er bei inhaltlichen Auseinandersetzungen immer auf Seiten der Progressiveren. Nunja, dem damals steht ein später gegenüber, wo Wahl mir kaum konturiert auffiel. Dass Grüne nicht nur Umweltthemen behandeln, sollte alle klar sein. Aber hat Wabl sich politisch weiterentwickelt, seinen Horizont erweitert? Ich weiss es nicht...

Apropos beste Köpfe: lieber Herr Bundeskanzler, ich hab nicht fast nix, sondern viel zum Klima gesagt in den letzten Jahren (und auch zu vielen anderen Themen) und ich hab auch eine Ahnung vom Klima, weil ich mich täglich in der freien Natur aufhalte. Wie wärs mit einer Genderbeauftragten? :-)

Oder einer Menschenrechtsbeauftragten, die verhindern helfen soll, dass fremde Geheimdienste mit Duldung Österreichs Menschenrechte verletzen, was CIA-Entführungen erst möglich macht, ihnen den Boden bereitet. Das Wegschauen ist zwar ein Bruch der Verfassung, aber Ausdruck der Haltung, dass man sich mit "denen" nur nicht anlegen soll. Man gibt dies aber nicht zu - weils z.B. in einer Stellungnahme an den Europarat dumm aussieht, wenn Regierungen davon sprechen, dass sie lieber Verfassung und Menschenrechtskonvention verletzen als den Amis auf die Pfoten zu hauen.

Anderes Thema: in den USA macht ein geheimnisvoller Film Furore, dessen Trailer Assoziationen zu 9/11 weckt. Muss man etwas drehen, wo in New York Gebäude explodieren und Leute "Oh my God!" rufen wie am 11. September?

23.05.07

Putin in Wien / Trendstories gegen Frauen

1. Seit Mittag ist der russische Präsident Putin in Wien - zwar wird auch in der Innenstadt abgesperrt, dennoch merkt man wenig, wenn man nicht gerade über Gegenden stolpert, in denen Polizei ist. Der Bush-Besuch letztes Jahr war präsenter, weil alle was von weiträumigen Abriegelungen mitbekamen. Und es gab Demos und andere Gegenveranstaltungen, während sich der Protest diesmal auf von den Parlamentsgrünen und dann auch von den Wiener Grünen organisierte Aktionen beschränkte. Sie waren sozusagen umgekehrte Jubelperser - aber man kann auch ironisch anmerken, dass sie damit nur zeigten, dass Österreich eine Demokratie ist, wo man so einfach demonstrieren kann (im Gegensatz zur GUS, wie sie meinen).

Manches, was an Drumherum berichtet wird, war bei Bush wohl auch nicht anders: das Hotel eine fürstliche Unterkunft, das Bankett ebenfalls an frühere Zeiten erinnernd, und wie Bush reiste Putin nicht in der Economy Class, sondern mit eigenem Flugzeug an. Von Wien - und davon, dass diese Stadt von Menschen bewohnt wird - dürfte Putin mehr gesehen haben als Bush. Das Besuchsprogramm umfaßte die üblichen geschichtsträchtigen Innenstadtbereiche (derlei wird offenbar nach den Wünschen der Gäste immer wieder leicht modifiziert). Das Fernsehen zeigte mehrmals Putin in der Hofreitschule und erklärte am Abend schließlich, dass die Putins selbst Pferde haben (allerdings Araber aus Russland und aus dem Nahen Osten).

Im Vorfeld wurde kritisiert, dass man Putin nicht einfach so mit nicht zuvor eingereichten Fragen interviewen kann (weil das z.B. bei Bush ohne weiteres möglich ist?!). Dann gab es eine Pressekonferenz (Putin und Bundespräsident Fischer), wo österreichische und russische Medienleute jeweils drei Fragen stellen konnten. Hiesige konzentrierten sich auf Menschenrechte und ernteten den Hinweis, dass auch Österreich vom Gerichtshof für Menschenrechte wegen Polizeimethoden im Umgang mit Asylwerbern kritisiert werde, es daher unfair sei, jede Verfehlung von Beamten einem Land pauschal anzulasten (jetzt mal sinngemäß gesagt). Naja, wie wäre es, wenn Gusenbauer zum "Folterkanzler" würde, weil unter den acht Millionen Einwohnern Polizisten sind, die nichts dabei finden, Asylwerber unabsichtlich zu ersticken oder die sie so sehr prügeln, dass von Folter gesprochen werden kann?

Erst recht kann in einem Land mit mehr als 20 mal so vielen EinwohnerInnen nicht absolut alles dem Oberhaupt persönlich angelastet werden, als ob dieses eine böse Anordnung nach der anderen träfe und dann reihenweise Menschen sterben oder verhaftet würden. Freilich muss kritisiert werden, wenn nach dem Bekanntwerden von Vorfällen nichts unternommen wird - aber Abwiegeln, Wegschauen, Polizei verteidigen ist durchaus auch eine "westliche Tugend". Eine weitere Gemeinsamkeit zeigen Bilder von Verhandlungen zwischen heimischen Wirtschaftsbossen und russischen Oligarchen: die Geschäftswelt ist eine Männerwelt, Frauen fehlen auf dieser Ebene vollkommen....

Somit sind wir bei 2.: Jetzt ist erst Mitte der Woche, und schon wurde ich (gemeinsam mit vielen anderen Frauen) zuerst zur radikalen Kindergegnerin erklärt und dann zur verhärmten, frustrierten Feministin. Das "Profil" (21.5.2007) hat auf dem Titel die "Späten Mütter", prügelt im dazugehörigen Artikel aber immer wieder kinderlose Frauen (die warten ja so lange, dass es zu spät ist für späte Mutterschaft):

Diese werden in drei "Typen" /Schubladen eingeteilt: die radikalen Kindergegnerinnen, die zu lange Zögernden und Frauen, die aufgrund von Lebenskrisen kinderlos bleiben. Schwangerschaft ist also der weibliche Normalfall (auch weil es nicht zur Norm des psychisch gesunden Menschen = Mannes gehört?), und wer diesen nie erreicht hat, der droht, so ein zitierter Experte, eine große Depression zwischen 40 und 50. Ein Stück weit hab' ich nun schon in dieser Altersgruppe zurückgelegt, aber die Depression hat sich noch nicht eingestellt (vielleicht mit der Menopause, wenn ich nicht immer dann die Tage kriege, wenn soooo schönes Badewetter ist? :-)

Weiteres zum Profil-Artikel und die CeiberWeiber-Anmerkungen hier nachzulesen - es sei aber noch darauf verwiesen, dass nur kinderlosen Frauen unterstellt wird, ein Nicht-Sein impliziere radikale Gegnerschaft. Nachdem ich mich weder für das Modell Lebenskrise noch die Strategie Zögern so recht erwärmen kann, bekommt das Nichtbedürfnis nach Nachwuchs also das Label radikale Kindergegnerinnenschaft. Zwar würde ich beispielsweise die Tatsache, keine Kanarienvögel zu haben, nicht als radikale Kanarienvogelgegnerschaft interpretieren (eher als Vogelfreundlichkeit, da sie ein gefundenes Fressen für die Katzen wären) und meinen Wohnsitz Wien nicht als radikale Grazgegnerschaft (ich lebe nicht mehr in der steirischen Hauptstadt), aber bei Kindern und weiblichen Geschlechtsmerkmalen ist alles ganz anders.

Vermutlich müssen sich die Mütter erwachsener Kinder bald auch als radikale Kindergegnerinnen einstufen lassen, wenn sie nicht bereit sind: a) spät nochmal zu gebären und b) den Nachwuchs ihrer Töchter zu hüten. Von Männern ist in diesem Kontext natürlich nie die Rede - die könnten sogar gut getarnt und dauerhaft unerkannt radikale Kindergegner sein, ohne dass es jemand merkt, reicht doch eine gut platzierte Samenspende und eine Partnerin, die nicht verhütet. Der nächste Hammer ist eine "Falter"-Story über einen angeblich neuen Feminismus (23.5.2007), wo bereits das Titelbild u.a. mit der Zeichnung eines Frauenhinterns mit Strapsen Schlimmes erwarten läßt.

Im Blatt schreibt dann Sybille Hamann, die unverständlicherweise an einem "Buch über die Frauenfrage" arbeitet (für die Lager und Altpapiercontainer oder als Trost für Eva Herman?): Wie eine Feministin ausschaut, weiß jeder. Streichholzfrisur, Henna, Walleröcke aus den Achtzigern, flache Schuhe. Redet zu viel und immer dasselbe. Humorlos, penetrant, mühsam, nervt. Definitiv unsexy. Meistens ein paar Jahre zu alt. Wahrscheinlich neidig, weil alle anderen einen Mann haben, bloß sie hat keinen abgekriegt. Eigentlich seltsam, wie allgegenwärtig das Klischeebild von der verhärmten, frustrierten Feministin seit dreißig Jahren ist – ohne dass man ein Exemplar der Spezies oft zu Gesicht bekäme. Nicht einmal Alice Schwarzer, die Oberhexe, hält, was ihr Ruf verspricht. Kaum erlebt man die aus der Nähe, ist man baff: Da steht eine sprühende, schlagfertige Frau, die schon einiges erlebt hat, sicher viel Spaß hat, schöner ist als die meisten ihrer Alterskohorte und gern auch mal in die Rolle der Ulknudel kippt. Flache Schuhe: Ja. Aber verhärmt? Nicht wirklich."

So in dem Stil gibts dann noch einiges, und Hamann erweist sich als unfähig, jenseits des Aufzählens von Klischees kreativ zu sein. Was irgendwie noch positiv klingt, ist dann eine Zusammenfassung von Alice Schwarzers neuestem Buch (Hamann denkt also nicht selber feministisch, sondern stellt Männersicht an den Anfang, ohne sie je in Frage zu stellen). Mehr dazu in einem Kommentar bei den CeiberWeibern - aber sehen wir uns trotzdem die Klischeeladung auch hier nochmal an: Streichholzfrisur, Henna, Walleröcke aus den Achtzigern, flache Schuhe. Redet zu viel und immer dasselbe. Humorlos, penetrant, mühsam, nervt. Definitiv unsexy. Meistens ein paar Jahre zu alt. Wahrscheinlich neidig, weil alle anderen einen Mann haben, bloß sie hat keinen abgekriegt. Verhärmte, frustrierte Feministin.

Streichholzfrisur?
- Lange Haare, rötlichbraun mit blonden Strähnen (von Natur aus so, auch ein paar graue Strähnen sind dabei) Henna? siehe Frisur. Walleröcke? Hosen, manchmal Jeans. Aus den Achtzigern? Vielleicht ein paar Bücher, ja auch feministische. Flache Schuhe? Welcher Mann fährt mit High Heels Rad? Eben. Redet zu viel und immer dasselbe? Redet auf jeden Fall keine Sekunde mehr als nötig mit mühsamen, penetranten, humorlosen, nervenden und daher unsexy Typen, die meistens ein paar Jahre zu alt und wahrscheinlich neidig sind, dass viele Frauen mit ihrer Zeit besseres anzufangen wissen, als sich mit mühsamen, penetranten, humorlosen, nervenden und daher unsexy Typen abzugeben.

Weniger verblümt gesagt: Antifeministen sind langweilige Saftsäcke mit zu wenig Haaren auf dem Kopf und zu viel Ringen um den Bauch, die an Selbstüberschätzung leiden und meinen, sie selbst seinen ein Geschenk Gottes an Frauen Mitte 20 und überhaupt ganz brillant beispielsweise als Journalisten. Ja, eigentlich müßte ein Kommentar zu Sexismus in Medien so beginnen, statt gleich die Unverfrorenheiten zu zitieren, mit denen frau sich auseinandersetzen muss. Damit klargestellt ist, dass vollkommen irrelevant ist, was irgendwelche Saftsäcke in Auftrag geben, die ja doch nur kaschieren wollen, wie verhärmt und frustriert sie sind....