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26.08.07

Ist Österreich ein freies Land?

Kaum zu glauben, welche Haltung manche Politiker und Journalisten haben, die vom "Kurier" in einer Frage an die LeserInnen so auf den Punkt gebracht wird:

Darf ein österreichischer Politiker die USA kritisieren?

Gegenfrage an den "Kurier": Wie souverän darf Österreich sein?

Und: warum nehmt ihr noch Inserate von Regierungsstellen, gar Medienförderung, und weigert euch nicht, Gelder vom minderwertigen Staat Österreich zu beziehen, der den USA gegenüber nicht souverän sein soll?

Norbert Darabos, gern als "etwas schüchterner Brillenträger" (c Rauscher, "Standard") dargestellt, wagte doch glatt, den sog. US-Raketenschild abzulehnen, zu dem auch Installationen in Tschechien und Polen gehören.

Auf durchgängige Medienschelte kamen allerdings viele positive Reaktionen aus der Bevölkerung, die Nachricht verbreitete sich auch international, europäischer Journalisten riefen an, weil sich endlich einer traut, es offen auszusprechen. Im Vergleich zu den unter "Solidarität mit Darabos" zitierten Berichten ist man mittlerweile gemäßigter, mit spürbarem Widerwillen. Was wäre, wenn als anders gelaufen wäre? Sicher wären "sie" imstande gewesen, eine Kampagne gegen Darabos durchzuziehen, bis er das Handtuch wirft.

Mithilfe nicht nur williger Mitmacher, sondern auch ganz und gar Unbedarfter, die Darabos wegen Stellenbau im Heer für Fehl am Platz halten oder weil es doch Eurofighter gibt. Und die nicht checken, dass jede/r sich energisch gegen Versuche stellen muss, unsere internen Angelegenheit zu bestimmen, unsere Souveränität zu verletzen. Wir können und sollen uns mit der Politik von Darabos auseinandersetzen, wie bei jedem anderen Regierungsmitglied auch. Aber auf der Basis von Fakten, nicht Vermutungen, Halbwahrheiten und gezielter Stimmungsmache....

Und noch was Neues: 6 Jahre 9/11 Truth Movement: Die Wahrheit gegen die (Schein) Welt ist mal eine eher psychologische Erklärung dafür, warum ganz einfache, an sich leicht verständliche Sachverhalte von vielen Menschen nicht realisiert werden. Als Beispiel wird eine Grafik genommen, die den freien Fall von mehreren Stockwerkdecken und den Fall mit Überwindung der Struktur unter den Decken vergleicht. Eine klare Sache an jedem Tag der Welt: bei bloßem Luftwiderstand sind die Platten schneller auf dem Boden angelangt.

Viele steigen aber aus, wenn man ihnen Videos mit Zeitmessung vom Einsturz der WTC-Türme zeigt, bei denen die Überwindung von Gebäudewiderstand schneller ging als die von Luftwiderstand gedauert hätte. Sie integrieren dies nicht in ihre Welt, sondern glauben an ein 9/11 Paralleluniversum, in dem physikalische Gesetze und vieles andere aufgehoben ist. Manche meinen, dass eines Tages auch bei uns kritische 9/11 Berichte in Mainstream- Medien "zugelassen" sind, ja dass man sich darauf vorbereiten muss, denn dann werden es all jene immer schon gewußt haben, die bis zuletzt kneiften.

Wenn man die Einzige von so vielen JournalistInnen ist, die seit dem 11.9.2001 kritisch geschrieben hat, klingt das nach den Tagen der großen K***tüte, die ich wohl immer dabei haben werde. Zum Beispiel, wenn die Herrschaften ihre Bücher vorstellen oder zu Diskussionen geladen sind oder Preise bekommen und sich dabei keinen Deut genieren....

@ 9/11 drei interessante Fundstücke im Web: American Airlines änderte den Wikipedia-Eintrag zu den 9/11 Flügen derart: Two American Airlines aircraft were hijacked and crashed during the September 11, 2001 Terrorist Attack: Flight 77 (a Boeing 757) and Flight 11 (a Boeing 767). Although these flights were daily departures before and a month after September 11, 2001. Neither flight 11 nor 77 were scheduled on September 11, 2001. The records kept by the Bureau of Transportation Statistics (www.bts.gov/gis/) do not list either flight that day.

Es ist schon länger bekannt, dass AA 11 und AA 77 an jenem Tag nicht aufgelistet waren und erst am 14.1.2002 deregistriert wurden, obwohl verlorene Flugzeuge binnen 24 Stunden gemeldet werden, damit die Datenbank der Federal Aviation Authority immer auf dem neuesten Stand ist. UA 93 und UA 175 waren bis 28.9.2005 gelistet und wurden nach Anfragen entfernt, warum sie als noch fliegend erscheinen (genauer gesagt handelt es sich um die Flugzeugnummern, die nur einmal vergeben werden, aber in der Debatte nicht so geläufig sind wie die Flugnummern).


Robert Fisk ist bekannt als exzellenter Nahostkorrespondent, der sich immer dafür interessiert, was abseits der Journalistenpools passiert, wie es jenen geht, die bombardiert werden. Kritisiert wird er aber vielfach dafür, dass er bislang nicht bereit war, Zweifel an 9/11 zu artikulieren, in das Konzert einstimmte, Zweifler seien Verschwörungstheoretiker. Dies ändert sich nun, wie sein Kommentar im Independent zeigt: I am increasingly troubled at the inconsistencies in the official narrative of 9/11. It's not just the obvious non sequiturs: where are the aircraft parts (engines, etc) from the attack on the Pentagon? Why have the officials involved in the United 93 flight (which crashed in Pennsylvania) been muzzled? Why did flight 93's debris spread over miles when it was supposed to have crashed in one piece in a field?....

I am talking about scientific issues. If it is true, for example, that kerosene burns at 820C under optimum conditions, how come the steel beams of the twin towers – whose melting point is supposed to be about 1,480C – would snap through at the same time? (They collapsed in 8.1 and 10 seconds.) What about the third tower – the so-called World Trade Centre Building 7 (or the Salmon Brothers Building) – which collapsed in 6.6 seconds in its own footprint at 5.20pm on 11 September? Why did it so neatly fall to the ground when no aircraft had hit it? The American National Institute of Standards and Technology was instructed to analyse the cause of the destruction of all three buildings. They have not yet reported on WTC 7. Two prominent American professors of mechanical engineering – very definitely not in the "raver" bracket – are now legally challenging the terms of reference of this final report on the grounds that it could be "fraudulent or deceptive".

Journalistically, there were many odd things about 9/11. Initial reports of reporters that they heard "explosions" in the towers – which could well have been the beams cracking – are easy to dismiss. Less so the report that the body of a female air crew member was found in a Manhattan street with her hands bound. OK, so let's claim that was just hearsay reporting at the time, just as the CIA's list of Arab suicide-hijackers, which included three men who were – and still are – very much alive and living in the Middle East, was an initial intelligence error.

But what about the weird letter allegedly written by Mohamed Atta, the Egyptian hijacker-murderer with the spooky face, whose "Islamic" advice to his gruesome comrades – released by the CIA – mystified every Muslim friend I know in the Middle East? Atta mentioned his family – which no Muslim, however ill-taught, would be likely to include in such a prayer. He reminds his comrades-in-murder to say the first Muslim prayer of the day and then goes on to quote from it. But no Muslim would need such a reminder – let alone expect the text of the "Fajr" prayer to be included in Atta's letter.

Let me repeat. I am not a conspiracy theorist. Spare me the ravers. Spare me the plots. But like everyone else, I would like to know the full story of 9/11, not least because it was the trigger for the whole lunatic, meretricious "war on terror" which has led us to disaster in Iraq and Afghanistan and in much of the Middle East. Bush's happily departed adviser Karl Rove once said that "we're an empire now – we create our own reality". True?

Fisk schrieb damals einen entlarvenden Artikel über Attas Brief, der ihm aufgrund seiner Arabischkenntnisse nach dem Islamverständnis eines CIA-Dolmetschers klang. Bin gespannt, ob Österreichs Medien jemals Fisks Zweifel aufgreifen oder gar seinen Kommentar nachdrucken werden :-) Die CIA behauptete vor ein paar Tagen in einem Bericht, man habe bei der Verfolgung der Al Qaida Fehler gemacht (rechtzeitig zum Heranahen des 9/11 Jahrestages).

Kurt Nimmo meint, dass diese Aktion nach hinten losgeht, denn während der damalige Chef des der CIA eng verbundenen pakistanischen Geheimdienstes General Ahmad am 11.9.2001 mit Porter Goss (später CIA-Chef) und Bob Graham frühstückte, den Vorsitzenden des House and Senate Intelligence Committees und über Bin Laden sprach, befand sich der Gesuchte im Militärspital im pakistanischen Rawalpindi. Sehr wahrscheinlich verhandelte Außenminister Powell am 12.9.2001 über die Auslieferung Bin Ladens mit dem Vertreter Pakistans, da das Spital in Rawalpindi dem Militär unterstellt ist, das enge Beziehungen zum Pentagon hat.

Der pakistanische Geheimdienst ISI war, im Auftrag der CIA, entscheidend beteiligt an der Schaffung der Mujaheddin, die in der Datenbank "Al Qaida" (die Liste) erfasst wurden. General Ahmad liess über den Mittelsmann Omar Sheikh 100.000 Dollar an Mohammed Atta überweisen oder an jemanden, der sich für Atta ausgab... Tenet and the agencies under his supervision lacked a comprehensive strategic plan to counter al-Qaida prior to Sept. 11. schwafelt jedoch NBC und schiebt dem Ex-CIA-Chef den schwarzen Peter zu, obwohl sie nur General Ahmad hätten fragen müssen, wenn bei seinem einwöchigen USA-Aufenthalt Gespräche über Bin Laden und Al Qaida stattfanden.

Und zum CIA-Folterskandal: "Bush to CIA: Leave No Marks" (keine Spuren hinterlassen) - jetzt wissen wir, innerhalb welcher "Grenzen" in den geheimen Gefängnissen, den black sites, gefoltert werden darf....

an alle anoynem Poster, die "Verschwörungstheorien!" schreien: helft doch erstmal Scott F. Kilner, stellvertretender US-Botschafter in Österreich und CIA-Agent, bei der Beantwortung von 60 9/11 Fragen...

20.08.07

Das ist hierzulande STANDARD

"Globalisierung nach Kreml-Art - Putins geopolitische Imponiergesten gelten vor allem den Russen selbst" ein Kommentar von Josef Kirchengast im"Standard" vom 20.8.2007 ist beispielswiese STANDARD in Österreich: "Demonstrativ gelassen haben die USA auf die Mitteilung von Präsident Wladimir Putin reagiert, russische Langstreckenbomber seien ab sofort wieder ständig und auch außerhalb des eigenen Territoriums in der Luft. Dieser Schritt komme "nicht völlig überraschend", hieß es aus dem Weißen Haus lapidar. Man habe sehr gute Arbeitsbeziehungen mit den Russen.

Diese Äußerungen unterscheiden sich angenehm von der Kalten-Kriegs-Rhetorik, die sich nach der Rede Putins bei der Münchener Sicherheitstagung im Februar kontinuierlich aufgeschaukelt hatte und im Konflikt um die US-Raketenabwehrpläne in Europa ihre Fortsetzung fand. Inzwischen scheint man auch in Washington erkannt zu haben, dass das geopolitische Imponiergehabe, zu dem Moskau zurückgekehrt ist, sehr viel mit den bevorstehenden Parlamentswahlen (im Dezember) und vor allem mit den Präsidentschaftswahlen (im März) zu tun hat und dass man mit scharfen Reaktionen nur den Hardlinern in Russland in die Hände arbeiten würde. In Russland selbst ist das Projekt "Gelenkte Demokratie" weit fortgeschritten: mit weitgehend gleichgeschalteten Medien, einer Parteienlandschaft nach Kreml-Design, Kontrolle der ohnehin schwachen Opposition und der nur rudimentären Zivilgesellschaft, Aufbau einer Kreml-treuen Jugendorganisation und vielem anderen."

Hier nervöser, martialischer Putin (sein Pin Up-Angelfoto wurde von der "Kronen Zeitung" am 15.8. mit "Polit-Rambo" übertitelt), dort "gelassene" (geliebte?) US-Regierung - ganz so, als gäbe es keinerlei amerikanischen Provokationen, die über reine Worte längst hinausgehen. Als so keine konkreten "Raketenschild"-Pläne, keinen Zugriff auf Ressourcen in Zentralasien, keinen gesponserten Terrorismus in jenen Gebieten, wo es um Ressourcen geht. Wer gleichgeschaltete Medien sehen will, braucht die weite Reise nach Moskau nicht anzutreten, ist derlei doch auch hierzulande STANDARD.

Es hat in Österreich weniger mit den jeweils Regierenden zu tun, als manche gerne annehmen wollen, denn diese haben beispielsweise nichts von 9/11-Märchen oder von US-Militärinterventionen. Da lautet nämlich die beinhart durchgezogene Devise: verbreitet werden darf nur, was erwünscht ist (mit herzlichen Grüssen, Ihre US-Regierung?!). STANDARD ist etwa beim "Standard", CIA-unterstützte Putsche zu bejubeln (Christoph Prantner im Vall Venezuela, 2002, wie hat er wohl gelitten, als die Putschisten doch scheiterten) oder Guantanamo ganz toll zu finden (Hans Rauscher, bekam irgendeinen "Menschenrechtspreis" für seine journalistische Arbeit) und wahlweise Putin oder die EU medial heftig zu schelten, während nur Samtpfötchen gewisse US-Terrorkriege antasten.

Für Herrn Kirchengast ist STANDARD, dass nur eine Macht geopolitische Ambitionen haben darf, nämlich die USA, nicht aber die GUS. Also entweder man ist gegen geopolitisches Gehabe (was ich bevorzugen würde), oder man gesteht es allen zu. Es kann nicht zweierlei Mass für Staaten geben, was dort furchtbar ist, muss es auch hier sein und umgekehrt. "Dabei kommen Putin und seinen "silowiki", den starken Männern aus dem Geheimdienst- und Militärapparat, mehrere objektive Faktoren entgegen: die hohen Energiepreise (einschließlich der Abhängigkeit Europas von den russischen Importen), das Irak-Debakel der USA und, durch die Immobilien- und Börsenkrise verdeutlicht, Amerikas wachsende wirtschaftliche Probleme."

Jetzt sind diese (nur im Fall Russland) bösen Geheimdienstler also offenbar auch noch Schuld dran, wenn es in den USA durch die Politik der dortigen Banken eine Hypothekenkrise gibt - das ist der STANDARD von Kommentaren. Bezeichnenderweise warnt Kirchengast auch vor einem Auseinanderdividieren Europas (perfide von Putin versucht, eh klar, Ex-KGB) und plädiert für das Betonen gemeinsamer Interessen mit den USA ("Dazu kommen Themen wie der US-Raketenschirm und der künftige Status des Kosovo: Für Moskau sind sie in dieser Phase ein Geschenk des Himmels. Sie ermöglichen die Neuauflage eines Spiels, das der Kreml zu Sowjetzeiten virtuos beherrscht hat: Keile zwischen die westlichen Partner zu treiben, sei es zwischen die USA und die Europäer, sei es innerhalb Europas.").

Nachdem "uns" die Troubles am amerikanischen Immobilienmarkt auch so einiges kosten, nachdem "wir" Ländern, mit denen die USA Krieg zu führen belieben, Schulden erlassen müssen, nachdem auf unsere MitbürgerInnen Übergriffe der CIA stattfinden (gegen die sich die Regierungen leider nicht zu wehren wagen, obwohl sie dazu verpflichtet sind, Menschen zu schützen)? Diese Interessen sind so gemeinsam wie von Beutejäger und Beutetier, wo der Jäger den Bewegungsspielraum der Beute einschränkt, die vielleicht dank einer besser florierenden Wirtschaft ja wirklich ganz schön fett ist...

"Was ist mit der Globalisierung nach US-Art?" fragte ein Poster beim "Standard". "Das ist STANDARD", antwortete ich, und auch (sinngemäss & ergänzt):

STANDARD sind US-Kriege in Afghanistan und dem Irak (kommen Iran und Syrien als Nächstes?)
STANDARD sind Geheimgefängnisse und Folterflüge
STANDARD ist der Abbau von Bürgerrechten in den USA (und die völlige Ignoranz für Rechte der BürgerInnen jedes anderen Staates)
STANDARD ist Kohle ohne Ende für Militär, Geheimdienste, Rüstung
STANDARD sind Schulden ohne Ende für einfache AmerikanerInnen
STANDARD ist ein riesiges Handelsbilanzdefizit
STANDARD ist Druck auf all jene Staaten, die ihren Rohstoffhandel lieber in Euro abwickeln würden oder es sogar wagen
STANDARD sind Eingriffe in die Souveränität anderer Staaten via CIA

und so weiter....

Zum österreichischen STANDARD gehört auch, dass beim Ansprechen von Tabus ohne Ende gemauert wird - ratet mal, wieviele Reaktionen ich auf die auch an Medien und Journalistenvertretungen geschickten Texte im Blog und bei den CeiberWeibern zu CIA-Aktvitäten auch in Österreich, Menschenrechten, Bürgerrechten und der Duldung von deren Verletzung durch Regierungen bekommen habe?

Nun, international betrachtet schon einige - aus Österreich genau NULL.

Ich sagte also: CIA-Aktivitäten sind Tabu, die können machen, was sie wollen, es wird überall gemauert.

Die Nichtreaktion (= Mauern) bestätigt dies: Ja, CIA-Aktivitäten sind Tabu, die können machen, was sie wollen, es wird überall gemauert.

Frustrierend? Einerseits ja, andererseits - es ist eine von zwei möglichen Reaktionen, und da sie sich bisher bewährt hat, seit 1955 oder so, ist naheliegend, dass man auch so weitermacht. Kurzfristig erscheint es bequem, da alterprobt, aber langfristig - ob das wirklich klug ist?

Nun noch Neues bei den CeiberWeibern:

Die 9/11 Märchen des "Spiegel" haben nun eine dritte Folge. (Folge 1 & 2 sollten vorher gelesen werden, wenn du, liebe/r LeserIn, dies noch nicht getan hast).

& ein neuer Webtipp: seit kurzem gibt es auch Architects & Engineers for 9/11 Truth mit einer informativen Webseite, auf der bspw. in einer Slideshow viele Videos und Fotos zur Frage von WTC 1, 2 & 7 zu sehen sind.

Was ganz anderes bei uns: "Wenn Väter lieben" ist ein Buch über Tierväter von Jeffrey Masson und absolut lesenswert. Zweibeinige Väter können darin so manches lernen :-)

@ Venezuela: Videotipp "The Revolution will not be televised", von einem irischen Team, das zufällig während des Putsches filmte....

PS: Vorabmeldung zur "Presse" vom 21.8.2007, Kommentar "Russische Kraftmeierei und reale Schwäche" von Christian Ultsch, der sich wunderschön mit Kirchengast ergänzt bzw. das Spiel fortsetzt: "Seit der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar dieses Jahres lässt Präsident Wladimir Putin kaum eine Gelegenheit aus, sich mit dem Westen anzulegen. Zunächst warf er den Amerikanern polternd vor, ein neues konfrontatives Wettrüsten loszutreten, weil sie in Polen und Tschechien zehn Raketen für ihr geplantes Raketenabwehrsystem stationieren wollen. Ein angesichts des russischen Abschreckungspotenzials lächerlich überdimensionierter Vorwurf, doch in Europa fanden sich ausreichend Besorgte, die Putins Argumente aufgriffen."

Merke: man hat als VertreterIn Europas nicht eigenständig zu denken, sondern sich von Amerika lenken zu lassen.

"Das alte russische Spiel, Europa zu teilen, funktionierte prächtig. Der Kremlherr trieb es lustvoll weiter, schürte antiamerikanische Ressentiments. Mit großer Geste kündigte er an, aus dem KSE-Vertrag auszusteigen, einer im Grunde obsoleten, weil erfüllten Vereinbarung zur Abrüstung konventioneller Streitkräfte in Europa. Wieder fingen die Europäer an zu bibbern, als sei ein neuer Kalter Krieg ausgebrochen. Gefröstelt hatte es sie schon vorher, als Moskau der Ukraine das Gas abdrehte. Mit schreckgeweiteten Augen realisierte nun auch eine breitere Öffentlichkeit in Europa ihre Abhängigkeit von russischen Energielieferungen. Mit allem, was Putin auf außenpolitischem, wirtschaftlichem oder militärischem Feld tut, will er Stärke demonstrieren."

Das "Bibbern" der Europäer vor den USA (das vielleicht auch falsch verstandene Solidarität ist) wird dadurch negiert, obwohl es die CIA-Affäre erst möglich machte und Pate bei den letzten US-Militärinterventionen stand, vom Kosovo 1999 bis zum Irak 2003 (wobei auch der Irak 1991 durch Europa mitermöglicht wurde....).

Wer kommt als Nächstes? Ein paar Medien haben wir ja noch - aber viel Auswahl bleibt nicht, wo am 22.8.2007 eine weitere Runde Europa in die Arme der USA prügeln stattfinden kann...

17.08.07

Willkommen in San Marino :-)

Vorweg eine Entschuldigung: ich will mich hier keineswegs über San Marino lustig machen, möchte nur einen Zwergstaat-Vergleich anbringen, um etwas zu verdeutlichen. Falls jemand Infos & Links zu San Marino hat, bitte einfach als Kommentar posten:-)

Aber nun - willkommen beim Staatsfernsehen von San Marino, das der Einfachheit halber auch gleich die weibliche Bevölkerung abgeschafft hat. In San Marino gibt es zwei Gerichts- und Jugendpsychiater, einen Dokufilmdreher, einen leichte Fernsehunterhaltung-Regisseur, einen TV-tauglichen Militärexperten, einen Meinungsforscher, einen Wirtschaftsfachmann, ein paar Interviewer und ein paar Parteichefs. Im Abendprogramm gibt es wahlweise Fussball, Volksmusik oder US-Serien (oder eben hausgemachte leichte Fernsehunterhaltung).

Damit haben wir das Programm des ORF und die Gästeauswahl schon einigermaßen umrissen, obwohl in Österreich mehr als 8 Millionen Menschen leben, zur Hälfte übrigens weiblich (was mann bei ORF nicht zu wissen scheint). Zu ergänzen wäre noch, dass es ganz viele Direktoren und ganz viele gutverdienende Männer beim San Marino-Staatsfernsehen gibt.

San Marino ist auch im liberalsten aller unabhängigsten Medien angesagt, das Fremdlinge bereits durch die rosane Farbgebung vom nur liberal-unabhängigen Rest unterscheiden können. Die Anzahl der Kommentatoren, darunter auch manchmal Frauen (wie gesagt: liberalst und unabhängigst!), ist dem Zwergstaat gemäss überschaubar. Lustigerweise gibt es auch einen "Kommentar der anderen", wobei eine auserlesene kleine Schar an "anderen" einander oder dem Redaktionsstamm widerspricht, der dann regieren kann, worauf dann wieder widersprochen wird usw. Auch untereinander dürfen die "anderen" dieses nette Bäumchen wechsle dich-Spiel machen.

Alexandra Föderl-Schmid behauptet im "Standard" (18.8.2007): "Die Republik schien in den vergangenen Tagen knapp einem Aufstand entkommen zu sein: Die Eisenbahnergewerkschaft drohte mit Streik, von den Ärzten bis zu den Landesbediensteten gab es einen Aufschrei. Der Grund für die öffentliche Erregung sind die Reformvorschläge des Rechnungshofes, immerhin 206 an der Zahl. Da kaum eine Berufsgruppe, kaum ein Verwaltungsbereich ausgelassen worden war, bildete sich eine breite Allianz, die die Ablehnung einte. Nach dem Motto: Wenn es mich betrifft, bin ich dagegen." Seit wann gibt es in "San Marino" mit seinen überschaubaren Cliquen einen Aufstand?

Was man in "San Marino" unter aufregender Politik versteht, zeigte sich beim "Sommergespräch" des ORF am 17.8. mit Peter Westenthaler vom Kaninchenzüchterverband Wien-Süd (vulgo BZÖ). Seit 7.8. habe er sich überlegt, die Politik zu verlassen (kaum wahrscheinlich, denn die 13.000 und etwas-Gage als Klubobmann muss er in der Privatwirtschaft erst wieder durch gute Beziehungen lukrieren), da alles irgendwo "Gosse" ist, und nun bleibt er uns erhalten. Er ist darum bemüht, sich mit Rassismus 2.0 vom (sudetendeutschen) Kaninchenzüchterverband Wien-Nord (genannt FPÖ) zu distanzieren, dessen Rassismus 1.0 er ganz furchtbar findet.

Rassismus 2.0 beinhaltet auch das "Säubern" von Graz, wo im Jänner 2008 ein neuer Gemeinderat gewählt wird, von Ausländern, denn diese Stadt sei ganz "verslumt". Westenthaler wirft der Regierung Inszenierung 2.0 vor, da Inszenierung 1.0 noch mit der Beteiligung seines Kaninchenzüchtervereins viel besser gewesen sein soll. An Inszenierung 2.0 gefallen ihm besonders Mnisterin Kdolsky und Minister Buchinger so gar nicht (diesem wirft er häufig "Faulheit" vor, obwohl man seinen Tagesablauf im Web nachverfolgen kann). Kein Zufall wohl, dass er sich die beiden Regierungsmitglieder rauspickt, die unkonventionell agieren und sich nicht über einem Kammscheren, zurechtstutzen lassen. Buchinger bekam heute sogar vom SPÖ-Pensionistenvertreter Exinnenminister Karl Blecha eine drüber von wegen, wie man die Pensionen erhöhen müsse (als ob es nicht auch noch einen schwarzen Finanzminister Molterer gäbe).

Im Vergleich zur Kritik, die beispielsweise hier an politischen und medialen Verhältnissen geübt wird, kommen mir Westenthalers Anwürfe wie Kritik 1.0 oder auch Pseudo-Oppostion 1.0 vor. Aber die werten KollegInnen im Medienmainstream werden sich wohl lang und breit darin ergehen, welche Zukunft der Kaninchenzüchterverein Wien-Süd hat und ob er doch mit dem sudetendeutschen Bruderverein zuusammengeht.

11.08.07

Europa bezahlt für Amerika

Der Zusammenbruch eines Systems, das auf Papiergeld beruht und nicht durch Gold abgesichert ist, musste einmal kommen. Nicht umsonst wechseln Staaten im Rohstoffhandel gerne zum Euro, sofern sie nicht durch amerikanischen Drohungen davon abgehalten werden. Die amerikanische Notenbank ist privat, nicht staatlich und druckt bei Bedarf einfach mehr Dollar (Details siehe auch 3. Teil im Film Zeitgeist).

Wir bezahlen für Amerika, stellen viele fest: Die USA haben es schon lange verstanden, über ihre Verhältnisse zu leben. Sie haben sich teuere Kriege geleistet, wie in Vietnam und Irak, und das Ausland dafür zahlen lassen, weil sie einfach die Reservewährung Dollar drucken konnten und in unruhigen Zeiten nicht einmal einen Sturz der als „safe haven" betrachteten Währung befürchten mußten. Sie konnten sich aus der letzten Wirtschafts- und Börsenkrise besser als alle anderen befreien, indem sie (a) das Haushaltsdefizit und die öffentliche Verschuldung hochgefahren haben, (b) die Binnenwirtschaft durch billige und - wie man jetzt sieht - zu einem großen Teil faule Kredite angekurbelt haben, die dann zu großen Teilen an ausländische Käufer verscherbelt wurden, und (c) sich bei einer stark negativen Handelsbilanz überhaupt massiv im Ausland verschuldet haben. Das reichste Land der Welt ist so zum größten Kapitalimportland geworden.

Man kann sich ja auch denken, dass immer teurere Krieg irgendwie finanziert werden müssen und das Geld, wenn nicht extra dafür angespart, geliehen werden muss (und eben auch gedruckt). Weiteres zur derzeitigen Finanzkrise wird hier analysiert. Vielleicht ein Zufall, dass der BAWAG-Prozess läuft, wo auch von Kasinokapitalismus dier Rede war, doch andererseits auch wieder nicht, da eine amerikanische Investmentfirma und Spekulationen der Bank den Hals brachen.

Die dafür verantwortlichen Männer gaben sich vor Gericht als Riesenbabies in der Sandkiste, die ja nur ein bisschen spielen wollten und dabei auch satte Gehälter kasiserten bzw. vor allem auf dem Golfplatz anzutreffen waren. Immer mehr Banken brauchen nun Finanzspritzen von der EZB, die ansonsten normalen Menschen vor allen dadurch ein Begriff ist, dass ihre Kreditraten dauernd teurer werden. Dafür ist die Kohle also da! Müssen wird das dann wieder büßen?!

Gerne wird aber in Kommentaren die EU geprügelt, wegen des Deals zur Freilassung der bulgarischen Krankenschwestern in Libyen, wo sie angeblich Menschen mit AIDS infizierten, was natürlich absurd ist. Nun spricht Gadafis Sohn Saif Al Islam davon, dass sie gefoltert wurden, mit Elektroschocks, um Geständnisse zu erzwingen. Ausgerechnet jetzt sagt er das, kann man sich fragen, doch er soll sich schon lange für die Freilassung eingesetzt haben, über die sein Vater nicht so ohne weiteres verfügen konnte, da er nicht über die Gerichte bestimmen könne. Postete jedenfalls jemand beim "Standard", der in Libyen lebte.

Allerdings betätigen sich viele derer, die nun eine schwache EU geißeln, die Menschenrechte nicht achtet, ansonsten als Jubeltruppe für die Politik der USA. "Embedded journalists" nenne ich sie gerne, in bed with the White House, was man nicht nur am Schauplatz der Terrorkriege sein kann. Vor ein paar Wochen war ich bei einer Pressekonferenz, bei der es detaillierte und umfassende Medienschelte gab. Wer selbst in der Branche ist, weiss, wie selten so ein Ereignis ist. Die Themenstellung war zudem eine andere, es ging um neue Informationsarbeit der Vertretung des Eu-Parlaments in Wien.

Denn selbst gut aufbereitet Informationen, Pressekonferenzen, Veranstaltungen, Ansprechpartner helfen nicht wirklich darüber hinweg, dass die EU wenn, dann meist negativ vorkommt und besonders auch das Parlament als teure Quatschbude hingestellt wird. "Brüssel" wird speziell im Kleinformat, wo wenig Platz ist für Texte neben den bunten Bildern, als Hort der Bürokratie, der unverständlichen Verordnungen, der falschen Entscheidungen und der Verschwendung hingestellt. Nichts gegen berechtigte Kritik, von der es wie anderswo auch genug gibt. Doch geht die Art und Weise, wie die EU dargestellt wird, einher mit dem xten angeblichen Terrorvideo Osama bin Ladens (natürlich alte Bilder, aber die Stimme soll ganz frisch und neu sein) anderswo in den Blättern, einher mit unkritischer Berichterstattung über US-Politik (unkritisch ist auch, nur die toten Soldaten zu erwähnen, nicht die sog. ZivilistInnen, nicht die Opfer von Depleted Uranium usw.).

Bei dieser Pressekonferenz zog nun der ÖVP-Delegationsleiter Othmar Karas gewaltig vom Leder, wie ich im Artikel zitierte: die Wirklichkeit, nämlich die Gleichstellung des EU-Parlaments mit den Regierungsvertretern im Rat und der FraktionsführerInnen mit den Klubobmännern im heimischen Parlament sei in der Medienöffentlichkeit nicht abgebildet. Seine letzten Einladungen zu wichtigen ORF-Terminen mit Gelegenheit zu ausführlicher Stellungnahme (Pressestunde im TV, Im Journal zu Gast im Radio) seien im Jahr 2004 erfolgt, also wegen der EU-Wahl.


"Wir werden hier nicht verwöhnt", beurteilt Karas die österreichischen Medien und ihren Umgang mit EU-Themen. Aber nicht nur diese vernachlässigen die Aufklärungarbeit, es gibt außer dem Vertretungsbüro auch keine Einrichtung, die der Bedeutung der Arbeit der Abgeordneten gerecht wird. Karin Scheele schließt sich seiner Kritik an und ergänzt, dass die Abgeordneten auch darauf angewiesen sind, dass hier politisch tätige Personen sich an der Vermittlung der EU-Ebene und ihrer Themenstellungen beteiligen. Es ist nicht nur des straffen Terminkalenders durch Plena, Ausschüsse, Fraktionssitzungen, Reisen mit Delegationen etc. wegen unmöglich, die ganze Arbeit den Abgeordneten zu überlassen, die immer nur tageweise in Österreich sind.

Oha, mag man sich denken, doch es ging noch weiter: Die Sündenbockfunktion, die der EU vielfach aufgehalst wird, ist den Abgeordneten schon viel zu vertraut, als dass sie sich drüber ärgern würden, meint Scheele. Es sei aber beunruhigend, weil dies Distanz schaffe und suggeriert wird, auf EU-Ebene werde ganz anders Politik gemacht als in Österreich, also auf undurchschaubare Weise. Abhilfe sollen regelmäßige gemeinsame Pressekonferenzen vom Vertretungsbüro mit Abgeordneten schaffen, deren Öffentlichkeitsarbeit ansonsten im Rahmen des EU-Parlaments stattfindet und die bei einzelnen Pressekonferenzen in Österreich nicht unbedingt von Medieninteresse überrannt werden. Teilweise läßt sich beobachten (zuletzt anhand einer Delegation des EP nach Palästina), dass österreichische Abgeordnete in deutschen Medien ausführlicher vorkommen als in heimischen.

Wie ist sowas möglich? (Übrigens ist auch nur deswegen möglich, dass mir diese Diskrepanz auffällt, weil ich einen Abgeordneten gut kenne und daher natürlich die Berichterstattung verfolge, wenn er nach einigem Zögern doch mal bei einer Nahost-Delegation ist, was für Juden nicht einfach nur eine weitere Reise darstellt.) Ein wenig Betroffenheit mag man erwartet haben, wenn gut untermauert Beschwerde geführt wird, doch weit gefehlt: es wurden vor allem Fragen gestellt, die mit der Kritik nichts zu tun hatten, sodass außer mir niemand wirklich darauf einging, und ich hatte auch Vorschläge:

Aufgrund meiner Erfahrungen mit Infos von Abgeordneten wollte ich wissen, ob man die Materialien nicht in Zukunft "benutzerfreundlicher" gestalten kann. Wenn ich Studien vom EP bekomme, dann sind das brandneue 60, 70seitige pdf-Dokumente in Englisch (nicht alles kann sofort in alle Sprachen übersetzt werden), die ich dann durcharbeite und in einem Artikel zusammenfasse. Wahrscheinlich bin ich da eher die Ausnahme, da sich andere diese Mühe gar nicht erst machen. Hier wäre hilfreich, wenn nicht nur kurze Pressestatements der Abgeordneten (die sicherlich oft die Haupt-Pressearbeit in Straßburg und Brüssel machen, weil sie ja für Ausschüsse sprechen) verschickt würden, sondern auch Zusammenfassungen auf ein paar Seiten. Diese Anregung wird aufgegriffen - und auch, dass der Jargon, in den Abgeordnete automatisch verfallen, oft nur für Interessierte verständlich ist.

Nunja, "die EU" ist weiterhin präsent, wenn's Eurobarometer-Umfragen gibt (darüber schreibt man gerne genüßlich, während ich auf Umfragen "wie zufrieden sind Sie mit Österreich?" noch warte) und wenn man "schwere Gänge" bei Kontakten zwischen EU-PolitikerInnen und der amerikanischen Regierung vermuten kann. Was die Abgeordneten betrifft, so kommen sie nicht nur konträr ihrem tatsächlichen Einfluss vor, sondern werden auch genau so dargestellt, wie sie nicht sind, sondern wie eher durchschnittliche Abgeordnete in nationalen Parlamenten beschrieben werden. Auf EU-Ebene ist man nämlich unabhängiger von den Fraktionen zuhause, ergo auch weniger an vorgegebene parlamentarische Mehrheiten gebunden, man erweitert seinen Horizont, ist stets mit Neuem konfrontiert und kann als Individuum in Ausschüssen oder anderen Gremien Meriten erwerben.

Mit anderen Worten: EU-Abgeordnete sind echte Konkurrenz zu jenen, die daheim gewählt werden und würden frischen Wind und vielleicht auch mehr Rückgrat in die Politik bringen. Wer dies nicht will, stellt sie als abgehalfterte Politiker im Ausgedinge dar (statt das Ausgedinge in den Hinterbänken im nationalen Parlament zu vermuten: das Einkommen ist gleich, der Job ist weit weniger anstrengend und kaum mit Reisen verbunden). Nach der Erweiterung wurde die Anzahl der ParlamentarierInnen pro Land verändert, dh für Österreich verkleinert. Mit dem "was tun denn die eigentlich"-Minus durch Nichtberichterstattung ist es auch ganz einfach, "Protestpotential" per aus dem Hut gezauberter Kandidatur zu binden, es den Arrivierteren so schwerer zu machen, was besonders kleine Parteien trifft.

Aus dem bisschen verstärkter Medienpräsenz, das vor der Wahl gegeben ist, müssen die KandidatInnen dann halt das Beste machen - um dann, wenn sie gewählt werden, wieder jahrelang ignoriert zu werden. Und das soll Zufall sein? Es bewirkt immerhin auch eine negative Einstellung der Menschen zur EU, sie nehmen das Parlament nicht als ihre Vertretung wahr, und dadurch ist auch der "Spirit" der EU als eigenständiger Zusammenschluss von Staaten in Europa geschwächt.

04.06.07

Auswirkungen der Randale von Rostock

Viele, die wie ich daheimgeblieben sind (geht bei den meisten nicht anders, die nicht mehr z.B. StudentInnen sind :-), schlugen am Wochenende wohl die Hände über dem Kopf zusammen angesichts der Fernsehbilder von "Randale" vor dem G8-Gipfel in Rostock. Erwartungsgemäß schieben manche die Schuld vollkommen auf Provokateure, während andere meinen, dass Leute etwa aus der autonomen Szene den friedlichen Protest tausender missbraucht haben.

OrganisatorInnen von Demos dieser Dimensionen können nie ganz sicher sein, dass nur die "Richtigen" mobilisiert werden, eben weil natürlich breit angekündigt werden muss. Gewaltfreie Proteste konnten sich massiver Sympathien gewiss sein, nicht zuletzt wegen der massiven Sicherheitsvorkehrungen, die sogar so weit gingen, JournalistInnen vom BKA zu durchleuchten und ggf. auszuschließen. Genauer gesagt führte "der Veranstalter", die deutsche Bundesregierung, eine "Zuverlässigkeitsüberprüfung" durch, die man auch "Sicherheitsüberprüfung" nennen kann.

Nun würde man bei Medien annehmen, dass sie sensibel sind eben auch in eigener Sache - weit gefehlt, erst durch die Ausschlüsse wurde es Thema; sodass die Nicht-Ausgeschlossenen es wohl kritiklos akzeptierten. Was ist aber nun wirklich am Wochenende in Rostock passiert, wo eine friedliche Demo am 2. Juni den Auftakt zu den Gegenveranstaltungen bilden sollte? Die Bloggerin "pony_huetchen" meint bei politblog.net, die Polizei inszeniere einen Bürgerkrieg. Sie berichtet, dass 80.000 friedliche TeilnehmerInnen von der Polizei eingekreist wurden. Es war da gegen 17 Uhr, und bislang nichts passiert, doch meldeten Medien schon ab 16 Uhr Krawalle (siehe bspw. das ZDF). Beim Hafen beeilten sich manche, die einen Bus erreichen mussten, und denen nichts Besonderes auffiel.

Kurz nach 17 Uhr kreiste die Polizei den Rest der Demo am Hafengelände ein, es waren Polizisten ohne Dienstnummer und Namensschild, die auf die DemonstrantInnen losstürmten. Jene, die das Gebiet noch verlassen konnten, bevor es abgeriegelt wurden, begegneten Polizeifahrzeugen und Wasserwerfern (die man dann im vollen Einsatz im Fernsehen erleben konnte). Ca. um 17.20 Uhr brannte es plötzlich, AugenzeugInnen wußten nicht, wo die Leute herkamen, die beispielsweise ein Auto anzündeten, das auf einem Parkplatz abgestellt war (an sich standen vernünftigerweise keine Autos herum - warum dieses eine genau dort?). Es erinnerte an Genua - durchaus auch jene, die daheimgeblieben waren.

Vom "Schwarzen Block" und "Autonomen", natürlich auch "Gewaltbereiten" war in den Berichten die Rede, wie zu erwarten war. Heute wird beteuert, dass es keinerlei Anzeichen für diese "Randale" gab, sie also aus heiterem Himmel stattfand. Mir erscheint dies glaubwürdig, beobachten doch auch VeranstalterInnen eine Szene genau, wenn für ein Großdemo mobilisiert wird. (Erinnern wir uns an die Demos gegen Schwarzblau, da warfen die "Moderaten" immer wieder bei kleineren Demos im Vorfeld ein Auge auf jene, die Müllcontainer anvisierten und "Bullenschweine" riefen.).

Vermummte haben allerdings den Nachteil, vermummt zu sein, sodass man sie nicht zuordnen kann. Provokation ist ebenso möglich wie das Vorhandensein von Personen, die sich medienwirksam irgendwie abreagieren wollen. In diesem Zusammenhang sollte vielleicht berücksichtigt werden, dass die Rechtsextremen wegen eines Demoverbotes wütend sind - denkbar, dass sie sich als Autonome verkleiden und so doch zu Demo und Beachtung kommen?

Die "junge Welt" kommentiert heute das vielfache Verständnis für die Polizei (das mir verfrüht erscheint, solange nicht einwandfrei geklärt ist, was wann wo passierte und wer beteiligt war) mit einem Lob auf den "Schwarzen Block", der einfach nur zurückschlug, als er isoliert und angegriffen wurde. Ein wenig erinnert mich dies an Verständnis für die "RAF", bei der ja auch nicht so ganz klar ist, wer dahintersteckt(e) - vor allem nicht, je länger sie bestand und je anonymer sie wurde.

Der Spiegelfechter, ein "Spiegel"-kritischer Blog, spricht von einer "Rostock-Legende", die spiegel.de stricke: ..."die Legende von Rostock soll lauten, daß die gewaltätigen Krawalle von den offiziellen G8-Kundgebungen angestachelt wurden". Das geht z.B. so: Für 18.30 meldet SPON den Tickereintrag “[18:30] Auf der Kundgebungsbühne stachelt ein Redner die militante Szene auf: “Wir müssen den Krieg in diese Demonstration reintragen. Mit friedlichen Mitteln erreichen wir nichts.” Allerdings hat sich kein Redner dementsprechend geäußert, was TV-Aufnahmen belegen.

Liegt es an mangelnden Englischkenntnissen der "Spiegel-Redaktion"? SPON meinte die Rede des philippinischen Globalisierungskritiker Walden Bello - Träger des alternativen Nobelpreises. Natürlich hat er nicht die Worte geäußert, die SPON ihm unterschieben will, sondern in einem vernünftigen Ton Kritik an der Vermeidung des Themas Irak-Krieg beim G8-Gipfel geübt: “We have to bring the war right into this meeting - because without peace there can be no justice”.

Der Spiegelfechter fügt seinem Eintrag noch Updates hinzu: Es ist fast überflüssig, zu erwähnen, dass SPON die gefälschten Zitate nicht korrigiert hat und sie von Teilen der Presse bereits wiedergegeben werden. SPON hat sein sinistres Ziel erreicht - mit rund 2 Millionen Besuchern, die mit dieser gefälschten Meldung gefüttert werden, wird erfolgreich Meinungsmache betrieben - meine rund 2.000 Besucher wissen es jetzt zwar besser, sind aber natürlich in der eindeutigen Minderzahl. Und wer weiß, vielleicht ist diese absichtliche Fälschung nur die Spitze des Eisbergs, bei der SPIEGEL-Berichterstattung über Rostock. Ich kann nur jedermann raten, bei SPON Berichten äußerst kritisch zu sein und im Zweifel lieber nichts zu glauben, was dieses Magazin berichtet.

Update III: Es ist auffällig, dass SPON das gefälschte Zitat über eine Stunde später in den Ticker stellt. Wie man im Phoenix-Video sehen kann, ist das Zitat um 17.17 gefallen, was sich auch mit den bei SPON erwähnten “ersten brennenden Autos” deckt. Im Newsticker wird allerdings erst um 18.30 darauf eingegangen. Wiederum: Honi soit qui mal y pense. Ein weiteres Update einige Stunden später meldet, dass nun ein Kommentar des "Spiegel" vorliegt, das den schwarzen Peter der Agentur dpa zufügt.

Da fragt sich die Journalistin, die keinen riesigen Apparat zur Verfügung hat, zweierlei:
1. Besteht die redaktionelle Arbeit des "Spiegel" gerade bei wichtigen Fragen daraus, ungeprüft Agenturmeldungen zu übernehmen und zu zitieren?
2. Macht es nicht stutzig, wenn ein Träger des alternativen Nobelpreises und philippinischer Globalisierungskritiker (eben Walden Bello) zu Gewalt aufrufen soll? Wie engstirnig sind "Spiegel"-Redakteure? Glauben sie an die Scheibenförmigkeit der Erde, wenn dies von der dpa behauptet wird?

Weitere interessante Links in Sachen G8:

konsumblog.de
Screenshots von Onlinemedien
Google-Blogsuche G8
G8 TV
indymedia.de
G8 live Radio
Erklärung von attac.de zu den Vorfällen

Noch eine Anmerkung: Natürlich bringen Berichte über Gewalt die Anliegen der weltweiten Protestbewegung in Mißkredit (die nach Genua 2001, nach dem Irakkrieg und in einer Zeit, wo Auswirkungen des Klimawandels immer mehr zu spüren sind, immer stärker geworden ist). Es scheint so, dass in Sachen Anliegen der GlobalisierungskritikerInnen mit einem "ja aber diese Ausschreitungen bei eurer Demo" gesprochen wird.

Hingegen kommen die G8 positiv in die Schlagzeilen, weil anscheinend doch etwas in Sachen Klima mit den USA vereinbart werden kann. Heiße Luft, buchstäblich, wenn ihr mich fragt - keine wie immer angedachte Maßnahme ist imstande, wirklich etwas am Klimawandel zu ändern, da radikales Umdenken im reichen Westen / Norden erforderlich ist. Und wer ist dazu schon bereit? Sicherlich innerhalb des Goldenen Käfigs von Heiligendamm kaum jemand, im Gegensatz zu vielen von den vielen außerhalb....

PS: Als "Neues" meldeten unsere Medien letzte Woche, dass "die Wissenschaft" nun herausgefunden habe, dass auch nach 9/11 Menschen an 9/11 starben. Wenn eine Wissenschaft dazu fast 6 Jahre benötigt, ist sie wohl eher Kaffeesudleserei - aber vielleicht liegt es an der Wahrnehmung von Massenmedien. Abseits von deren ausgetretenen Pfaden ist nämlich seit etwa Anfang 2002 bekannt, dass 9/11 weiterhin Opfer fordert. Etwa durch Blutkrebs, wie nun die ABC News berichten, und dies durch eine Studie des Mount Sinai-Spitals abgesichert (in dem man sich in Wahrheit nicht erst jetzt über die Häufung an Krebs bei Helfern am "Ground Zero" wundert).

Bezüglich der Gefährlichkeit der 9/11-Staubwolken log auch die Environment Protection Agency, woran dieser Artikel erinnert. Illustriert ist er mit einem eindrucksvollen Bild, das uns zum Nachdenken anregen sollte: sind solch riesige Wolken wie bei einem Vulkanausbruch wirklich auf zwei Flugzeuge mit Kerosin im Tank zurückzuführen, vorausgesetzt, so kann man Gebäude zum Einsturz bringen? Haben diese Wolken irgendetwas mit "controlled demolition" zu tun, wie die Sprengung von nicht mehr benötigten Gebäuden heißt, die zu gross sind, um sie abzutragen? Wäre "controlled demolition" vergleichbar, gäbe es wohl massive Anrainerproteste gegen die Sprengung von Stadien, Brücken, Hochhauskomplexen, alten Hotels etc. Nicht nur wegen der riesigen Staubwolken, sondern auch wegen deren Inhalt (da ja die Rede von Asbest im Fall 9/11 und Krebstoten ist).

Und nun das Neueste bei den Ceiberweibern:

Ein Mentoringprojekt für Migrantinnen zieht Bilanz
Gespräch mit Stella Deetjen (Women's World Award 2006)
Frauenlauf in Wien mit Rekordbeteiligung
Lange Nacht der Kirchen (auch in vielen Bildern verewigt)

27.02.07

Allerlei so Zwischendurch :-)

Am liebsten würde ich nur Stichwortartig aufzählen, was ich gerade mache (dieses bis weit nach Mitternacht und dann morgens gleich weiter :-). Ich wechsle dauernd zwischen Dateien und Programmen, lösche hier Text und Bilder, kopiere sie da vorher ins CMS oder in eine HTML-Seite mit reduziertem Design. Alles will verlinkt sein, nichts soll verloren gehen, wenn es nicht absolut inaktuell ist (beispielsweise braucht ganz bestimmt niemand eine Projektankündigungs-Pressekonferenz vor ein paar Jahren oder auch einen kurzen Kommentar von mir zu dem, was einer so unterkam).

Mit mehreren offenen Programmen und Files ist Konzentration angesagt (und nur ja keine Panik, wenn man mal nicht weiss, wo man gerade ist und ob man die richtige Reihenfolge eingehalten hat). Verwende ich eine Seite fürs CMS, so kopiere ich meist die Internet-Version. Allerdings sollte ich etwaige Bilder nicht zu früh offline löschen, da ich diese erst ins CMS hochladen muss (wenn ich die Online-Textversion kopiere, kommen die Bilder automatisch mit - aber was, wenn ich diese mal lösche? Also besser aus der Offline-Variante übertragen).

Nachts rechne ich dann noch nach, wieviel ich in MB bereits gelöscht habe. Oder besser, ich versuche es zu schätzen, da man ungefähr weiss, wie lange Textdateien sind und wie viele Bilder im Durchschnitt dabei waren. Ich rätsle, ob das alles schneller geht, wenn sich die langen Index-Listen des bisher Geschriebenen lichten (was sich auch via Web nachvollziehen läßt, da ich die bereinigten Übersichtsseiten immer wieder rauflade). Andererseits bedeutet dies, dass jene Seiten übrigbleiben, bei denen ich munter - für UserInnen unsichtbare - Formatierungen lösche (einfacher als es sich für manche anhört; man muß nur die Reihenfolge von TD - TR - TABLE im Auge behalten :-) und sie mit einem einzigen Backlink versehe, auf das jeweilige Themenarchiv.

Aber wie ich es auch drehe und wende, ich bearbeite 10 Seiten pro Stunde, sei es manche löschend, sei es manche ins CMS überspielend oder sie in HTML neu formatierend. Durchhalten kann ich das nur mit einer Liste, die ich seit Sonntag (oder Samstag? meist wanke ich wie ein Zombie rum :-) führe. Bevor ich heute abend doch ein Päuschen einlegte (Einkaufen...), hakte ich Nr. 190 ab. Das steht für: 190 Dateien, die gelöscht, neu bearbeitet oder ins CMS übernommen wurden, wo im Fall des Löschens auch die Bilder online wie offline (von manchen "Schätzen" abgesehen, die in ein Archiv für später kommen) weggworfen werden. 190 Dateien, wo, wenn sie bleiben, auch die Links zu ihnen stimmen müssen.

Manchmal stellt sich heraus, dass mehrere Dateien zu einer zusammengefaßt werden können (sprich, die nicht mehr Benötigte muss gelöscht werden und die Links, die auf sie verweisen). Achja, sollte ich da etwas in den Indexseiten zu entfernen vergessen haben, sorry - irgendwann werde ich schon draufkommen, dass dort noch der eine oder andere Link zuviel steht. Das Ganze ist durchaus auch inhaltlich interessant, auch wenn meine ganze Aufmerksamkeit dem technischen Ablauf gilt. Wußtet ihr beispielsweise, dass die FPÖ in den paar Jahren nach der Wende sogar mal einen Frauenkongress veranstaltete und immer wieder Pressekonferenzen und dergleichen zu Frauenthemen? Hätte es auch vergessen, hätte ich nicht die alten Berichte gesichtet (und sie für die Nachwelt aufgehoben :-).

Ich bin aber schon eher eine Schreibende als eine Programmiererin - sodass ich froh bin, dass mich "Wien Heute" nach dem wieder Heimkommen förmlich dazu zwingt, wenigstens zu bloggen. Die Polizei liefert Bonmots zur heutigen (zum Glück glimpflich ausgegangenen) Geiselnahme in einer Bawag-Filiale in Wien. "Atypisch" sei das Verhalten des Täters gewesen (der gestern einen draufmachte, finanzielle Probleme und Liebeskummer hat - sicher ein Riesenunterschied zum gesamten Rest der Bevölkerung), doch er habe dann eingesehen, dass sein Vorgehen keinen "Sinn" habe.

"Typisch" ist dann wohl das White Collar-Verhalten von Flöttl, Elsner und Co., und es macht auch weit mehr "Sinn". Warum wegen Summen, die vergleichsweise nur die Portokasse ausmachen, so ein Risiko (mit der Aussicht auf ein entsprechendes Strafmass) eingehen? Ich soll aber jetzt nicht nur über den Elsner herziehen, würde ein Freund sagen (der CeiberWeiber neu ganz toll findet - "TestuserInnen" sind wichtig, um das Design noch zu verfeinern), auf den sich alles konzentriert. Keine Sorge, tu ich nicht, für mich ist das wie mit den russischen Puppen: die Kleinste war der Verzetnitsch, dann kam Elsner (beide aus kleineren Verhältnissen aufgestiegen und verführbar für die Verlockungen von Geld und scheinbarer Macht), und dann kommen die anderen Puppen, beginnend bei Flöttl.

Elsner öffnet sein Herz war eine bezeichnende zynische Schlagzeile von Österreich letzte Woche, "passend" zu dessen Operationstermin. Apropos Österreich: ein durchschlagender Erfolg laut Herausgeber Fellner (wie heute wieder in der Gratis-Miniausgabe zu lesen, die an vielen Orten aufliegt), von wegen Auflage und so. In Wien sei man Nummer 1, österreichweit Nummer 2. Der Standard erklärt, was als Auflage gerechnet wird - und dass man eine Zeitung nicht zu mehr als der Hälfte verschenken darf. Österreich erreicht heute jedenfalls neue Höhen (Tiefen?) der Berichterstattung durch Telefonate mit dem Geiselnehmer - nur von einem deutschen Privatsender getoppt, der live übertragen hat.

Österreich lesen findet aber wirklich eine wachsende Fangemeinde - zumindest bei jenen, die sich einen Spass daraus machen, Fehler zu suchen. Nach der amüsanten Lektüre des Blogs über Österreich kann ich die Zeitung (selbst in der Gratisvariante) nicht mehr durchblättern, ohne unwillkürlich zu scannen, ob die Bildtexte, die Bilder und die Artikel zusammenpassen, ob es auf den ersten Blick zu erkennende logische Widersprüche gibt usw. Im Grunde wäre dieses Verhalten ansonsten angebracht, wenn ich z.B. die Redaktion einer SchülerInnenzeitung coache - wo sich Sinnwidrigkeiten aber vermutlich nicht vielhundertfach wiederholen würden nach den ersten Erklärungen, warum etwas nicht geht.

Heute werde ich sofort fündig: Ein Österreicher habe einen Oscar gewonnen, prangt es auf der Titelseite. Darunter das Kleingedruckte: naja, ein halber Österreicher. Wie wird man zum halben Österreicher? Mit einer Doppelstaatsbürgerschaft. Der halbe/ganze Österreicher kommt, so lesen wir auf Seite 4 (Gratisversion), auf der nächsten Seite selbst zu Wort. Nach 4 folgt 5, wissen sie zumindest in den heutigen SchülerInnenzeitungsredaktionen, aus denen nach Rennbahnexpress, Basta, News und zuletzt Österreich hervorgehen. Auf der Seite 6 finden wir Zitate, die sicher hunderte andere Medien auch haben werden. Ein Merksatz für den Umgang mit Österreich lautet nämlich: nur dann, wenn jemand von der Redaktion mit einem Star abgebildet ist, besteht die Möglichkeit, dass die wirklich mit ihm gesprochen haben.

Florian Henckel von Donnersmark, ausgezeichnet für "Das Leben der Anderen", wird da mit dem Satz "Ich bin ein Österreicher" als Schlagzeile erwähnt. Was denn nun? Halb? Ganz? Im Zweifelsfall entscheiden wir uns, da Österreich ja auch meint, ganz Österreich zu umfassen, für die Steigerungsform. So wunderschön es ist, dass ein halber/ganzer Österreicher einen Oscar einheimst, dies verblasst doch gegen "ÖSTERREICH-Verkaufsauflage viel höher als erwartet" (Seite 2). Nunja, siehe Link weiter oben, es fragt sich, was als Verkauf gilt. Mir ist jedenfalls keine andere Tageszeitung bekannt, die Gutscheine selbst für die Sonntagsausgabe großzügig in die Briefkästen verteilen läßt oder die regelmässig Zeitungen vor die Türen von Nicht-Abonnentinnen legt.

Mein Tageszeitungsabo erfolgt beispielsweise stets ohne Vignetten oder I-Pod, und ich erlebe selten, dass mir jemand diese Zeitung förmlich aufdrängt. Was ich darin lese, ist aber auch ein bißchen anspruchsvoller als etwa die seichten Kurzkommentarchen von Promis. Wenn schon kann ich mir sowas auch selbst schreiben, geht ganz leicht, einfach etwas aus dem Alltag aufgreifen, über das sich andere vielleicht lustig machen. Wenn wir schon dabei sind: ich hatte am Samstag nachmittag die glorreiche Idee, einen merkwürdigerweise verstopften Abfluss im Küchenwaschbecken nicht mit Abflußreiniger zu traktieren. Keine Lust, extra loszuziehen und sowas zu besorgen. Aber auch nicht, die Rohre unten auseinanderzuschrauben und ....urggh! - rauszuputzen, was da möglicherweise drinnen ist.

Was tun, wenn du nicht in Desperate Housewives spielst und das Problem rasch selbst lösen willst? Nimm Tabs fürs WC (hab ich mal gekauft, als sie 1 + 1 gratis waren, und noch eine halbe Packung herumstehen) und wirf sie in den Abfluss. Das Tab schäumte ein wenig im Becken herum, und es dauerte mir zu lange, sodass ich mit dem Schraubenzieher arbeitete. Leider dachte ich nicht daran, dass die Konstruktion wasserdichter Abfluss auch davon abhängt, dass der Abflussdeckel im Becken fest mit dem Rest veschraubt ist. Mit anderen Worten: ich stopfte das Tab rein und schraubte rasch wieder zu, um mich der Bescherung zu widmen. Alles war eh relativ rasch trockengewischt, doch hatte ich an diesem Nachmittag kaum eine Chance, einen Film auf Video zu sehen (ich spulte ein paarmal zurück, bis es klappte :-). Also falls wer einen Haushaltstipp gratis und ohne Vignette und IPod braucht: nimm einen Hammer und zertrümmere das Tab in der Plastikverpackung und brösle das Zeug dann in den Abfluss. Es wirkt tatsächlich sofort....

Aber wenden wir uns wieder ernsteren Dingen zu, etwa Wolfgang Fellner über Wolfgang Fellners Erfolg: Wir haben es mit unserer neuen Tageszeitung vom Start weg geschafft, nahezu alle - zum Teil seit mehr als 50 Jahren existierenden - Tageszeitungen eindrucksvoll zu überholen. Würde ich U-Bahn und nicht Rad fahren und "Heute" und "Österreich" mithaben, würde ich zum Lesen beider Blätter vermutlich vier Stationen brauchen (naja, manchmal auch nur zwei). Immerhin ist Österreich unfreiwillig komisch - die Mischung aus Überheblichkeit gegenüber anderen Medien und Fehlern, die Profis nicht passieren dürften, macht's.

WEITERE ROBEN FÜR KINDER IN NOT! ist übrigens meine Lieblingsschlagzeile vom 24.2. (Life & Stillos, wie die Österreich-Blogger sagen würden). Statt Caritas-Klamotten gibts nun eines der Lieblingsstücke der Baumeister-Gattin, Größe 34-36, also ideal für unterernährte Teenager. Apropos Life & Stillos: ich traute am Freitag meinen Augen kaum, als ich beim Morawa eine Art Sammelband entdeckte, für 1,80 als neue Frauenzeitschrift (offenbar in Konkurrenz zu Woman und zu sich selbst?).

Nun aber wieder an die Arbeit: Nr 191 wartet, dann Nr. 192, Nr. 193, und so weiter :-)