Posts mit dem Label "Österreich" werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label "Österreich" werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

23.04.07

ÖVP: Altes in neuem Gewand?

Blogpause, aber bei den CeiberWeibern wurde natürlich laufend Neues reingestellt (ein paar Tipps am Ende dieses Beitrages). Nun aber in medias res: die ÖVP versendet stolz Mailnewsletter, dass sie als erste Partei von einem Parteitag per Blog berichten liess, von diesen fünf extra eingeladenen Bloggern:
http://www.helge.at/ (natürlich Helge :-)
http://www.sierralog.com/ (Dieter)
http://heinz.typepad.com/lostandfound/ (Heinz)
http://www.zurpolitik.com/ (Tom)
http://dibo.awardspace.com/mygfx.at/index.php?s=b_Blog /(Georg)

Es gibt sogar, vermelden die Schwarzen, Videos bei Youtube (wenn auch nur zwei und in der Qualität, die eine nicht für Videos geeignete Digitalkamera aufzeichnet).

Alles ganz neu und modern also? Finden wir nicht unbedingt, da wir an Zitate aus den Blogs Aussagen von Andrea Kdolsky anschliessen, die frischer Wind unter den StellvertreterInnen Molterers als Parteichef sein soll.

Im Übrigen haben die Blogger alles sehr scharf beobachtet - auch ihren eigenen Zwiespalt: mit Lobhudelei (die von ihnen ohnehin nicht zu erwarten gewesen wäre) hätten sie die ÖVP als reine Machtpartei dargestellt. Mit Kritik (die ehrlich gemeint ist) verhelfen sie ihr aber zu einem Feigenblatt.

Zur "Erneuerung" durch Personen in Funktionen, die sie bisher nicht hatten (wirklich "neu" erscheint ja nur Kdolsky, die eben erst Ministerin wurde), kann ich auch noch einige persönliche Beobachtungen beitragen: Mit einigem Amüsement nahm ich zur Kenntnis, dass Christian Buchmann, Landesrat in der Steiermark, nun offenbar einen weiteren Karrierehüpfer gemacht hat, gilt er doch in der grünen Mark als Zukunftshoffnung. Irgendwie ausgleichende Gerechtigkeit, dass Kdolsky als Frau das in wenigen Monaten erreicht, wofür ein Mann mehr als sein halbes Leben brauchte.

Christian Buchmann war nämlich mein Mitschüler am Gymnasium in Graz und ist mir als einer jener Menschen in Erinnerung, die eigentlich nie "jung" waren. Dies ist freilich nicht parteigebunden, da etwa die Schriftstellerin Erica Fischer nach ihrem kurzen Zwischenspiel bei den Grünen vor mehr als 20 Jahren im Buch "Männer" einen jungen Grünen als "wie ein 60jähriger agierend" (sinngemäss zitiert) beschrieb. (Nebenbei bemerkt lasen einige Frauen bei den Grazer Grünen, darunter auch ich, diese Passage mehrmals unter schallendem Gelächter, wussten wir doch, wer darin beschrieben wurde - er sitzt heute im Parlament und sieht noch genau so aus wie damals und ist auch noch genau so :-)

Auch Buchmann sieht so aus wie einst in der Schule, nur die Brille hat sich geändert, mehr im Darabos-Stil und damit zeitgemäss. Im Wordrap auf der ÖVP-Seite wird gegen die "Roten" gestichelt, aber auch betont, dass der Landesrat einen roten Kater hat (und ich einen schwarzen, siehe Blogwappentier :-). Ich erinnere mich, dass er zwar Klassensprecher war, sich jedoch schon in einer ÖVP-Organisation betätigte, vermutlich Mittelschülerkartellverband. "Betätigen" in Bezug auf ungerechte Lehrer war nicht gerade angesagt, das überliess er lieber anderen. Es gab bspw. einen (einzigen!) Chemielehrer, der immer entweder die ersten oder die letzten im Alphabet dranzunehmen pflegte, die gerade atemlos um acht Uhr im Chemiesaal oben unter dem Dach ankamen. Dadurch hatten jene Schülerinnen dann immer eine Vier in diesem Fach, was ich mir nicht gefallen lassen wollte (als eine der Betroffenen), sodass ich zum Klassenvorstand ging, der Deutsch und Geschichte unterrichtete.

Dieser Lehrer war nicht so ganz der Fall Buchmanns, da er auf Verstehen setzte und nicht auf reines Auswendiglernen. Buchmann und andere "Konformisten" fanden nicht gut, dass es dem Lehrer beispielsweise nicht auf das sture Herunterrattern von Jahreszahlen ankam, sondern auf den Kontext. Jahreszahlen konnten solche Schüler liefern (oft mit Einsagen), aber nicht den Zusammenhang und das Drumherum. Ob die Buchmann-Mutter auch zu den "Notenbettlerinnen" gehörte, weiss ich nicht mehr, war dies doch weit verbreitet und betraf die Mehrheit der Mütter. Meine hatte, leicht zu erraten, Besseres zu tun, da die Schule ganz allein meine Sache war.

Das hatte natürlich den Vorteil, dass ich nie wegen Noten lügen musste (und auch selten Grund gehabt hätte), zugleich waren aber weder bestandenes Schuljahr noch Matura etwas Besonderes und schon gar nicht Anlass für teure Geschenke (die sich meine Eltern auch gar nicht hätten leisten können). Nach der Schule war zu hören, dass Buchmann zielstrebig an einer Parteikarriere arbeitete, sich dabei auch mal gesundheitlich übernahm (anstrengende Selbstverleugnung, meinte ich damals etwas zynisch - aber wahrscheinlich war er immer so, wie es eine Partei braucht, formbares Material).

Zu den Lehrern, die er ablehnte, gehörte auch unser Englischprofessor, der offenbar ein Linker war, was an einer konservativen Schule eine Seltenheit darstellte (immerhin hatte ein Lehrer, wie sich später herausstellte, Hitlerbilder zuhause an der Wand hängen). Ich weiss noch, wie Buchmann und andere "litten", als wir uns ein Spottlied auf Ronald Reagan anhören und es analysieren mussten. Ich und ein paar andere hatten da endlich mal Oberwasser, da ein Lehrer auf unserer Seite stand. Interessanterweise waren aber manche LehrerInnen viel toleranter als konservative Schüler, etwa als ein Mitschüler sich die Haare lang wachsen liess oder als ich weisse Hemden meines Grossvaters mit Textilstiften verzierte oder mit einem Tuch ankam, das mein bergsteigender norwegischer Onkel aus Afghanistan mitbrachte und das als "PLO-Tuch" galt.

Natürlich war ich eine "Emanze", das musste frau ja sein, wenn sie nicht mit Augenaufschlag um gute Noten betteln, sondern für Verstehen bewertet werden wollte. Vor der Matura las ich die erste "Emma", die den Schwerpunkt Koedukation hatte, wozu ich einiges zu sagen hatte (und es auch in einem Referat tat). Es mag bisher so geklungen haben, als hätte ich mich damals noch nicht für Politik interessiert, doch dies war keineswegs der Fall. Meine Eltern hatten das "Extrablatt" abonniert, bei dem ich mich natürlich zuerst auf die Deix-Karikaturen stürzte, dann aber alle Artikel las. Ich argumentierte gegen Zwentendorf und war sauer, dass ich nicht abstimmen durfte, ich war bei meiner ersten Demo dabei, als es um mehr Radwege in Graz ging. Ich bedauerte, dass es die Partei, die ich wählen wollte, in Österreich noch nicht gab - die Grünen....

Vermutlich würde mich Molterers Stellvertreter Christian Buchmann gar nicht erkennen, etwa bei einer Pressekonferenz in Wien. So ist es aber oft - Frauen, deren Weg nicht so vorgegeben ist, die keine Karriere nach Schema F machen können, verändern sich immer wieder, innerlich wie äusserlich. Solange dies nicht auch Männer viel mehr tun, ändert sich gesellschaftlich recht wenig. Der Weg meines Ex-Mitschülers entspricht dem, was ich zuvor mitbekam bei einer Familie, die in der gleichen Neubausiedlung in Graz wohnte wie wir. Da war eine nette Frau, die von den Kindern wissen wollte, wie sie zu verschiedenen Dingen stehen, etwa, ob sie aufgeklärt wurden. Von meinen Eltern erfuhr ich, dass dieses Interesse reines Kalkül war - dies gehörte offenbar zu den Pflichten der Ehefrau eines Mannes, der politische Karriere machen wollte. Später, lange nach meiner Teenager-Zeit, wurde er auch Landesrat in der Steiermark, fiel dann allerdings in Ungnade....

Der immer noch übliche Karriere-Weg stellt eben nicht Überzeugungen in den Mittelpunkt, sondern alles, was der Karriere dient. Dazu gehört irgendwann vielleicht auch, die Augen vor Dingen zu verschliessen, die in die Katastrophe führen - so kommen Skandale zustande, wo "die Öffentlichkeit" dann fassungslos scheint: Wie konnte DAS denn passieren? Wie konnten die alle wegschauen und zustimmen? Sie konnten, weil sie sich als Person von der Funktion trennen, weil sie sich nicht als Verantwortliche und GestalterInnen erleben, weil es nicht ihr Ding ist, für das sie sich ungeachtet dessen einsetzen, ob es ihnen materielle Vorteile bringt oder an das sie glauben.

Und jetzt das Neue bei den Ceiberweibern:

Das Kindergeld ist in Diskussion - letzte Woche wurden Studien präsentiert und u.a. mit Frauenministerin Bures debattiert.
Ehe ohne Grenzen demonstriert seit einem Jahr immer wieder gegen das unfaire Fremdenrecht.
Aus der Zeit ist ein toller, nachdenklich machender Film über aussterbende Geschäfte.
Ver-rückte Frauen befasst sich mit Normen, die nach wie vor zum Schaden von Frauen ausgelegt werden.
Die letzte öffentliche Hinrichtung in Deutschland betraf eine Frau - Grete Beier, die zwischen zwei Männern stand und zu Gift griff.
Zum Lesen: Ursula K. Le Guins Romane und speziell die "Geschichten aus Orsinien".
Wie Medien Gewalt verharmlosen am Beispiel von "Heute", "Österreich" und ORF
Toll oder flau? - "Mitten im 8ten"

und vieles mehr :-)

27.02.07

Allerlei so Zwischendurch :-)

Am liebsten würde ich nur Stichwortartig aufzählen, was ich gerade mache (dieses bis weit nach Mitternacht und dann morgens gleich weiter :-). Ich wechsle dauernd zwischen Dateien und Programmen, lösche hier Text und Bilder, kopiere sie da vorher ins CMS oder in eine HTML-Seite mit reduziertem Design. Alles will verlinkt sein, nichts soll verloren gehen, wenn es nicht absolut inaktuell ist (beispielsweise braucht ganz bestimmt niemand eine Projektankündigungs-Pressekonferenz vor ein paar Jahren oder auch einen kurzen Kommentar von mir zu dem, was einer so unterkam).

Mit mehreren offenen Programmen und Files ist Konzentration angesagt (und nur ja keine Panik, wenn man mal nicht weiss, wo man gerade ist und ob man die richtige Reihenfolge eingehalten hat). Verwende ich eine Seite fürs CMS, so kopiere ich meist die Internet-Version. Allerdings sollte ich etwaige Bilder nicht zu früh offline löschen, da ich diese erst ins CMS hochladen muss (wenn ich die Online-Textversion kopiere, kommen die Bilder automatisch mit - aber was, wenn ich diese mal lösche? Also besser aus der Offline-Variante übertragen).

Nachts rechne ich dann noch nach, wieviel ich in MB bereits gelöscht habe. Oder besser, ich versuche es zu schätzen, da man ungefähr weiss, wie lange Textdateien sind und wie viele Bilder im Durchschnitt dabei waren. Ich rätsle, ob das alles schneller geht, wenn sich die langen Index-Listen des bisher Geschriebenen lichten (was sich auch via Web nachvollziehen läßt, da ich die bereinigten Übersichtsseiten immer wieder rauflade). Andererseits bedeutet dies, dass jene Seiten übrigbleiben, bei denen ich munter - für UserInnen unsichtbare - Formatierungen lösche (einfacher als es sich für manche anhört; man muß nur die Reihenfolge von TD - TR - TABLE im Auge behalten :-) und sie mit einem einzigen Backlink versehe, auf das jeweilige Themenarchiv.

Aber wie ich es auch drehe und wende, ich bearbeite 10 Seiten pro Stunde, sei es manche löschend, sei es manche ins CMS überspielend oder sie in HTML neu formatierend. Durchhalten kann ich das nur mit einer Liste, die ich seit Sonntag (oder Samstag? meist wanke ich wie ein Zombie rum :-) führe. Bevor ich heute abend doch ein Päuschen einlegte (Einkaufen...), hakte ich Nr. 190 ab. Das steht für: 190 Dateien, die gelöscht, neu bearbeitet oder ins CMS übernommen wurden, wo im Fall des Löschens auch die Bilder online wie offline (von manchen "Schätzen" abgesehen, die in ein Archiv für später kommen) weggworfen werden. 190 Dateien, wo, wenn sie bleiben, auch die Links zu ihnen stimmen müssen.

Manchmal stellt sich heraus, dass mehrere Dateien zu einer zusammengefaßt werden können (sprich, die nicht mehr Benötigte muss gelöscht werden und die Links, die auf sie verweisen). Achja, sollte ich da etwas in den Indexseiten zu entfernen vergessen haben, sorry - irgendwann werde ich schon draufkommen, dass dort noch der eine oder andere Link zuviel steht. Das Ganze ist durchaus auch inhaltlich interessant, auch wenn meine ganze Aufmerksamkeit dem technischen Ablauf gilt. Wußtet ihr beispielsweise, dass die FPÖ in den paar Jahren nach der Wende sogar mal einen Frauenkongress veranstaltete und immer wieder Pressekonferenzen und dergleichen zu Frauenthemen? Hätte es auch vergessen, hätte ich nicht die alten Berichte gesichtet (und sie für die Nachwelt aufgehoben :-).

Ich bin aber schon eher eine Schreibende als eine Programmiererin - sodass ich froh bin, dass mich "Wien Heute" nach dem wieder Heimkommen förmlich dazu zwingt, wenigstens zu bloggen. Die Polizei liefert Bonmots zur heutigen (zum Glück glimpflich ausgegangenen) Geiselnahme in einer Bawag-Filiale in Wien. "Atypisch" sei das Verhalten des Täters gewesen (der gestern einen draufmachte, finanzielle Probleme und Liebeskummer hat - sicher ein Riesenunterschied zum gesamten Rest der Bevölkerung), doch er habe dann eingesehen, dass sein Vorgehen keinen "Sinn" habe.

"Typisch" ist dann wohl das White Collar-Verhalten von Flöttl, Elsner und Co., und es macht auch weit mehr "Sinn". Warum wegen Summen, die vergleichsweise nur die Portokasse ausmachen, so ein Risiko (mit der Aussicht auf ein entsprechendes Strafmass) eingehen? Ich soll aber jetzt nicht nur über den Elsner herziehen, würde ein Freund sagen (der CeiberWeiber neu ganz toll findet - "TestuserInnen" sind wichtig, um das Design noch zu verfeinern), auf den sich alles konzentriert. Keine Sorge, tu ich nicht, für mich ist das wie mit den russischen Puppen: die Kleinste war der Verzetnitsch, dann kam Elsner (beide aus kleineren Verhältnissen aufgestiegen und verführbar für die Verlockungen von Geld und scheinbarer Macht), und dann kommen die anderen Puppen, beginnend bei Flöttl.

Elsner öffnet sein Herz war eine bezeichnende zynische Schlagzeile von Österreich letzte Woche, "passend" zu dessen Operationstermin. Apropos Österreich: ein durchschlagender Erfolg laut Herausgeber Fellner (wie heute wieder in der Gratis-Miniausgabe zu lesen, die an vielen Orten aufliegt), von wegen Auflage und so. In Wien sei man Nummer 1, österreichweit Nummer 2. Der Standard erklärt, was als Auflage gerechnet wird - und dass man eine Zeitung nicht zu mehr als der Hälfte verschenken darf. Österreich erreicht heute jedenfalls neue Höhen (Tiefen?) der Berichterstattung durch Telefonate mit dem Geiselnehmer - nur von einem deutschen Privatsender getoppt, der live übertragen hat.

Österreich lesen findet aber wirklich eine wachsende Fangemeinde - zumindest bei jenen, die sich einen Spass daraus machen, Fehler zu suchen. Nach der amüsanten Lektüre des Blogs über Österreich kann ich die Zeitung (selbst in der Gratisvariante) nicht mehr durchblättern, ohne unwillkürlich zu scannen, ob die Bildtexte, die Bilder und die Artikel zusammenpassen, ob es auf den ersten Blick zu erkennende logische Widersprüche gibt usw. Im Grunde wäre dieses Verhalten ansonsten angebracht, wenn ich z.B. die Redaktion einer SchülerInnenzeitung coache - wo sich Sinnwidrigkeiten aber vermutlich nicht vielhundertfach wiederholen würden nach den ersten Erklärungen, warum etwas nicht geht.

Heute werde ich sofort fündig: Ein Österreicher habe einen Oscar gewonnen, prangt es auf der Titelseite. Darunter das Kleingedruckte: naja, ein halber Österreicher. Wie wird man zum halben Österreicher? Mit einer Doppelstaatsbürgerschaft. Der halbe/ganze Österreicher kommt, so lesen wir auf Seite 4 (Gratisversion), auf der nächsten Seite selbst zu Wort. Nach 4 folgt 5, wissen sie zumindest in den heutigen SchülerInnenzeitungsredaktionen, aus denen nach Rennbahnexpress, Basta, News und zuletzt Österreich hervorgehen. Auf der Seite 6 finden wir Zitate, die sicher hunderte andere Medien auch haben werden. Ein Merksatz für den Umgang mit Österreich lautet nämlich: nur dann, wenn jemand von der Redaktion mit einem Star abgebildet ist, besteht die Möglichkeit, dass die wirklich mit ihm gesprochen haben.

Florian Henckel von Donnersmark, ausgezeichnet für "Das Leben der Anderen", wird da mit dem Satz "Ich bin ein Österreicher" als Schlagzeile erwähnt. Was denn nun? Halb? Ganz? Im Zweifelsfall entscheiden wir uns, da Österreich ja auch meint, ganz Österreich zu umfassen, für die Steigerungsform. So wunderschön es ist, dass ein halber/ganzer Österreicher einen Oscar einheimst, dies verblasst doch gegen "ÖSTERREICH-Verkaufsauflage viel höher als erwartet" (Seite 2). Nunja, siehe Link weiter oben, es fragt sich, was als Verkauf gilt. Mir ist jedenfalls keine andere Tageszeitung bekannt, die Gutscheine selbst für die Sonntagsausgabe großzügig in die Briefkästen verteilen läßt oder die regelmässig Zeitungen vor die Türen von Nicht-Abonnentinnen legt.

Mein Tageszeitungsabo erfolgt beispielsweise stets ohne Vignetten oder I-Pod, und ich erlebe selten, dass mir jemand diese Zeitung förmlich aufdrängt. Was ich darin lese, ist aber auch ein bißchen anspruchsvoller als etwa die seichten Kurzkommentarchen von Promis. Wenn schon kann ich mir sowas auch selbst schreiben, geht ganz leicht, einfach etwas aus dem Alltag aufgreifen, über das sich andere vielleicht lustig machen. Wenn wir schon dabei sind: ich hatte am Samstag nachmittag die glorreiche Idee, einen merkwürdigerweise verstopften Abfluss im Küchenwaschbecken nicht mit Abflußreiniger zu traktieren. Keine Lust, extra loszuziehen und sowas zu besorgen. Aber auch nicht, die Rohre unten auseinanderzuschrauben und ....urggh! - rauszuputzen, was da möglicherweise drinnen ist.

Was tun, wenn du nicht in Desperate Housewives spielst und das Problem rasch selbst lösen willst? Nimm Tabs fürs WC (hab ich mal gekauft, als sie 1 + 1 gratis waren, und noch eine halbe Packung herumstehen) und wirf sie in den Abfluss. Das Tab schäumte ein wenig im Becken herum, und es dauerte mir zu lange, sodass ich mit dem Schraubenzieher arbeitete. Leider dachte ich nicht daran, dass die Konstruktion wasserdichter Abfluss auch davon abhängt, dass der Abflussdeckel im Becken fest mit dem Rest veschraubt ist. Mit anderen Worten: ich stopfte das Tab rein und schraubte rasch wieder zu, um mich der Bescherung zu widmen. Alles war eh relativ rasch trockengewischt, doch hatte ich an diesem Nachmittag kaum eine Chance, einen Film auf Video zu sehen (ich spulte ein paarmal zurück, bis es klappte :-). Also falls wer einen Haushaltstipp gratis und ohne Vignette und IPod braucht: nimm einen Hammer und zertrümmere das Tab in der Plastikverpackung und brösle das Zeug dann in den Abfluss. Es wirkt tatsächlich sofort....

Aber wenden wir uns wieder ernsteren Dingen zu, etwa Wolfgang Fellner über Wolfgang Fellners Erfolg: Wir haben es mit unserer neuen Tageszeitung vom Start weg geschafft, nahezu alle - zum Teil seit mehr als 50 Jahren existierenden - Tageszeitungen eindrucksvoll zu überholen. Würde ich U-Bahn und nicht Rad fahren und "Heute" und "Österreich" mithaben, würde ich zum Lesen beider Blätter vermutlich vier Stationen brauchen (naja, manchmal auch nur zwei). Immerhin ist Österreich unfreiwillig komisch - die Mischung aus Überheblichkeit gegenüber anderen Medien und Fehlern, die Profis nicht passieren dürften, macht's.

WEITERE ROBEN FÜR KINDER IN NOT! ist übrigens meine Lieblingsschlagzeile vom 24.2. (Life & Stillos, wie die Österreich-Blogger sagen würden). Statt Caritas-Klamotten gibts nun eines der Lieblingsstücke der Baumeister-Gattin, Größe 34-36, also ideal für unterernährte Teenager. Apropos Life & Stillos: ich traute am Freitag meinen Augen kaum, als ich beim Morawa eine Art Sammelband entdeckte, für 1,80 als neue Frauenzeitschrift (offenbar in Konkurrenz zu Woman und zu sich selbst?).

Nun aber wieder an die Arbeit: Nr 191 wartet, dann Nr. 192, Nr. 193, und so weiter :-)