22.12.07

Vorweihnachtsgedanken

Ich habe versucht, eine Bilanz für 2007 zu ziehen, jedoch nicht wie sonst üblich als Jahresrückblick mit verlinkten Artikeln, sondern unter dem Apekt eines Paradigmenwechsels. Davon kann frau wohl sprechen, wenn gegen Jahresende alles ganz anders ist als zu Beginn und dazwischen spannende, aufregende, aber auch ungemein fordernde Zeiten liegen. Am ehesten läßt es sich noch an auch bei den Ceiberweibern Wahrnehmbarem im Worte fassen - so habe ich im Jänner gegen die neue Regierung demonstriert, weil auch mir der Unterschied zu Schwarzblauorange zu gering erschien und ich den Unmut vor allem in der SPÖ gut verstehen konnte.

Nur habe ich halt auch mitbekommen, dass seither fast ein Jahr vergangen ist und die SPÖ-Regierungsmitglieder durchaus Akzente setzen und besonders im Sozialbereich (was nicht nur das Ressort von Minister Buchinger meint) auch eigene Vorstellungen umsetzen. Sicherlich bietet Journalismus einen "privilegierten" Zugang zur Politik, da man sich nicht in seiner Freizeit informieren muss, sondern vieles im Beruf mitkriegt. Allerdings sind bei weitem nicht alle Medienleute bereit, ihr Wissen auch in differenzierte Berichterstattung einfliessen zu lassen. So gaukeln sich "Volk" (oft via Webpostings artikuliert) und "die Medien" gegenseitig ein unzutreffendes Bild von Politik und AkteurInnen vor.

Da ich lange Zeit selbst in einer Partei war, habe ich es hier zugleich leichter und schwerer: einfacher ist die Erfahrung, die andere Seite zu kennen und dies automatisch auf andere Parteien zu übertragen, in denen es doch oft irgendwie ähnlich zugehen muss. Schwieriger könnte aber sein, bei Parteien, die in einigem etwas anderes als die einstige politische Heimat vertreten, die vor allem aber regieren und nicht die ewige Oppositionshaltung verinnerlicht haben, Positives und authentisch Handelnde zu erkennen und zu schätzen. Mein Leben bedeutete aber bereits nach der Einbindung in eine Partei eine Neuorientierung, wenngleich Journalismus natürlich ein politiknaher Beruf ist, wo die Intentionen manchmal gar nicht so anders sind.

Ich konnte dann sicher nicht in Schablonen denken, sondern musste Einzelpersonen und ihre individuellen Vorstellungen, Eigenschaften und Leistungen betrachten. Da ich zudem wusste, wie sich PolitikerInnen über Interviews voller aus dem Zusammenhang gerissener Zitate ärgern, wollte ich es bei meinen Berichten besser machen und immer möglichst genau wiedergeben, was jemand sagt. Meine Wertungen konnte ich separat anbringen und es den LeserInnen überlassen, Menschen anhand dessen einzuschätzen, was sie wirklich meinen. Oft war der Unterschied zu anderen Medien besonders im Umgang mit Politikerinnen sehr gross, da sie anderswo verkürzt zitiert wurden und es dann bspw. hiess "die tut doch nix für Frauen" oder "was macht die denn eigentlich?".

Heuer fiel besonders unangenehm auf, wie Medien mit Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky umsprangen, wozu ich mehrmals etwas geschrieben habe, weil hier eine Ministerin gegenüber Ministern diskriminiert wird. Die Erfahrungen dieser Männer können zwar auch ganz schön heavy sein (und wurden von mir durchaus thematisiert), man geht ihnen gegenüber aber nie so ins Persönliche wie bei Frauen. Die Unkonventionelle und die Ungerechtigkeiten ist ein neuer Artikel, der einerseits erklärt, wofür eine Regierung zuständig ist und andererseits auf den Umgang mit Kdolsky eingeht, der im Breittreten ihres Privatlebens gipfelte, das bei einem Minister kein Thema wäre.

Es gab kaum etwas, das Ministerin Kdolsky im vergangenen Jahr sagte, das nicht meist fadenscheinig kritisiert wurde. Auch Kleinigkeiten fanden Beachtung, wie dass sie gerne
Rosenstolz hört - na und? Ich höre derzeit oft Alanis Morissette, meist auf CD (aber momentan läuft Big Country) - wo ist das Problem? Ihre Schwäche für Schweinebraten kann ich zwar nicht nachvollziehen, da ich kaum Fleisch esse, aber ich finde die Idee selbstironisch, ein Schweinebraten-Kochbuch herauszugeben. Unnötig zu erwähnen, dass sich da nicht nur WebuserInnen empören, sondern auch der eine oder andere Politiker.

Es nützt allen Frauen und ihrem Spielraum, wenn energischer gegen Doppelstandards vorgegangen wird, die gerade im Umgang mit Kdolsky deutlich werden, was sie auch in einem Interview mit "News" am 20.12.2007 anspricht. Minister trennen sich und haben eine neue Partnerin, es ist für alle okay und für niemanden ein Thema, eine Ministerin wird zur sündigen Ehezerstörerin stilisiert, es werden in den eigenen Reihen Unterschriften gegen sie gesammelt. Bei Ministern spielt keine Rolle, wie sie gekleidet sind, wie sie frisiert und rasiert sind, während bei Ministerinnen immer auch das Äußere bewertet wird und beim Outfit nach "Fehlern" gesucht wird. Hier hat nur Ursula Plassnik einigermaßen Glück, von negativen Kommentaren verschont zu bleiben - aber das zeigt auch nur, dass es bei ihr ebenfalls wahrgenomen wird, eben meist positiv.

Dann kann frau auch die Diskussion über das vermutete Körpergewicht männlicher Regierungsmitglieder vermissen, während das weibliche Regierungsmitglied Kdolsky von manchen gar als Gesundheitsministerin in Frage gestellt wird, weil sie etwas üppigere Formen hat, die von Lebensfreude sprechen. Hätten die KritikerInnen auch Probleme mit einer magersüchtigen Ministerin? In der Realität sind nicht alle Frauen schlank, was meist etwas mit der Konstitution zu tun hat, wobei manche Frauen auch genetisch bedingt im Lauf des Lebens etwas zunehmen. Sollen sich Frauen mit Dauerdiäten, wenig Essen und dabei viel Bewegung quälen?

Wenn wir wieder zur allgemeinen Bilanz zurückkehren, dann hat sich mein Verhältnis zur Regierung im Lauf des Jahres entscheidend verändert. Ich kann immer mehr nachvollziehen, wie Akzente gesetzt werden und erkenne an, wenn sich einzelne Regierungsmitglieder besonders für etwas einsetzen und sich selbst treu bleiben. Natürlich verstehe ich auch kritische Stimmen, die jedoch oft von unrealistischen Vorstellungen über die Rahmenbedingungen ausgehen. Vermutlich bin ich zu pragmatisch, um mich mit der Idee von hehren, aber nicht erreichbaren Zielen abzugeben, da mir Umsetzungssstrategien Schritt für Schritt immer noch mehr zusagen als illusorisches Fordern.

Manche sehen darin, dass ich mich nicht blindlings Protesten anschliesse oder gar dann mit aufschreie, wenn die Grünen gegen etwas auf den Plan treten, ein Klein Beigeben oder Opportunismus, aber ich bin mir selbst so treu wie ich es immer zu sein versuchte. Ich bin von meinem Weg vielleicht auch überzeugter denn je, da mir untergriffige Kritik in Wahrheit vollkommen egal ist. In gewisser Weise bin ich einfach angekommen und stelle mich neuen, veränderten Aufgaben dort, wo ich hinwollte und -sollte, ohne es auch nur entfernt zu ahnen, als mein Weg vor Jahren begann. Damals bei den Grünen passierte vieles nicht und anderes schon; manches fand haarscharf nicht statt, es gab dramatische und aufregende Situationen - und das alles bekam erst viel später einen Sinn, da es Lernprozesse und Vorbereitung sein sollten.

Die entgültige Abkehr von den Grünen, das Kappen auch von persönlichen Kontakten war nach der tiefen Enttäuschung darüber, dass den Grünen jedes Mittel recht ist gegen eine demokratisch nach der Verfassung handelnde Regierung, relativ undramatisch. Es war eigentlich eine Entscheidung, die ich bereits im Sommer getroffen, aber noch nicht bewusst realisiert hatte, als es mich tief erschütterte, wie über mutig und souverän agierende Regierungsmitglieder mit dem Unterstellen niedrigster Motive hergezogen wurde. Persönliche Kontakt bringen mit sich, dass emotionaler Druck ausgeübt werden kann, der aber bei mir nur bewirkt, dass ich mich abschotte und weiterhin zu meiner Überzeugung stehe.

Wenn einem persönlich vergleichsweise wenig bekannte Regierungsmitglieder vertrauenswürdiger vorkommen als Menschen, die man seit Jahren kennt, man bei Anwürfen nur fassungslos fragen kann "wie kannst du sowas über die sagen?" und in Tränen ausbricht, sodass man den anderen am Handy wegklicken muss, hat man eine Wahl getroffen. In der Erinnerung finde ich diese Szene immer noch schlimm, aber es war ein Schritt auf einem rückblickend klar vorgezeichneten Weg. Ich vermisse nicht einmal die Visionen, die Grünen ganz zu Beginn hatten, und auch nicht ein Gruppengefühl, an das ich mich aus den 80er und 90er Jahren erinnere.

Ich habe einmal versucht, Leute von früher zu kontaktieren, die sich damals mehr erwartet hatten als heute vielleicht Gemeinderätin am Land oder Bezirksrat in der Stadt zu sein. Es kamen kaum Reaktionen - was einmal mehr bestätigt, dass es die Grünen von einst nie wieder geben kann. "Gruppengefühl" habe ich dann als eigenständig arbeitende Journalistin natürlich nicht mehr erlebt, nur indirekt mitbekommen, wenn ich auf den Veranstaltungen anderer Parteien war oder mit mehreren Frauen aus einer Redaktion zu tun hatte. Sicher ist mir das abgegangen, auch weil zwangsläufiges Einzelkämpferin-Sein bedeutet, sehr vieles mit sich selbst auszumachen. Dies habe ich aber immer als temporär betrachtet und niemals als Selbstzweck.

Auch das hatte, mit allen Höhen und Tiefen, tatsächlich Sinn als zeitweise Erfahrung und als Möglichkeit, mit Situationen umzugehen. Freilich war ich dabei in den letzten Monaten mehr denn je gefordert, was bis an meine äußersten Belastungsgrenzen ging (ehrlich gesagt habe ich vom Dasein als Einzelkämpferin wahrlich genug :-). Nun ist aber Durchschnaufen angesagt, sich Sammeln und ohne Zurückzublicken für alles bereit sein, was kommen wird. Es ist aber schon eigenartig, so ein Jahr ausklingen zu lassen, das in jeder Hinsicht außergewöhnlich war - so sehr, dass es vielleicht sogar noch etwas auf Lager hat...

PS: Wenn sich manche fragen, ob ich durch die entgültige Abkehr von den Grünen nichts vermisse, wo ich doch bereits mit 19 zu ihrer Vorläuferin, der Alternativen Liste kam und mich so lange engagierte: nein, mir geht überhaupt nichts ab und es gibt auch nichts zu bedauern oder noch an etwas zu denken oder zurückzublicken. Das ist nicht mehr meine Welt, während ich in meiner tatsächlichen Welt sicher noch genug gefordert werde. Vergleichsweise geht mir eher ab, dass ich im meinem Lieblingsteich in der Nähe nicht wie im Sommer baden, sondern nur am zugefrorenen Ufer stehen kann....

Kommentare:

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Danke sehr an den Webmaster.

Gruss Tina