05.04.07

Alles okay?

Dieses Bushbild ist mit einem gerade heute sehr passenden Lied von Reinhard Mey "Es ist alles okay in Guantanamo Bay" verknüpft. Der deutsche Sänger zitiert die Behauptungen, dass Mitleid nur "Geschwätz" sei:

Wir sind die Guten und ihr seid die Schlechten

So einfach ist das mit den Menschenrechten!


Eh keine Kriegsgefahr mehr am Golf, jetzt wo die britischen SoldatInnen heute freigelassen werden sollen? Nun, da gibt es eine Meldung, wonach in Kuwait Berichte erscheinen, dass ein US-Angriff noch im April erfolgen wird. Demnach sind die Kriegsschiffe im Golf, für die schon Verstärkung unterwegs ist, ein Ablenkungsmanöver. Der Iran wisse dadurch nicht, von wo aus die Angriffe erfolgen werden.

Empfehlenswert ist immer auch, das Umfeld zu beobachten. So meldet Debka, ein Infodienst, der auch Inputs vom Mossad verwendet, dass amerikanischen Investoren in Bahrain empfohlen wurde, zusammenzupacken und den kleinen Golfstaat zu verlassen. The advice came from officers with US Central Command 5th Fleet HQ at Manama, who spoke of security tension, a hint at an approaching war with Iran. Arab sources report the positioning of a Patriot anti-missile battery in Bahrain this week; they say occupancy at emirate hotels has soared past 90% due mostly to the influx of US military personnel. They also report Western media crews normally employed in military coverage are arriving in packs.

Debka vermutete allerdings auch, dass Hardliner die Oberhand gewännen und daher eine Freilassung der 15 BritInnen nicht so schnell wahrscheinlich sei. Wenn man auf der Seite von Debka ein wenig nach unten scrollt, spricht ein exklusiver Artikel von einer britischen Geheimdelegation in Teheran, welche die von Ahmadinejad gesuchte militärische Konfrontation mit den USA und GB verhindern solle: A secret British military delegation arrived in Tehran Tuesday as Ahmadinejad pushed for an immediate military confrontation with the UK and US.

Der Blog des Guardian bezeichnet den iranischen Präsidenten als political showman - ansonsten wird gerne spekuliert, dass die Freilassung ein "Zeichen der Schwäche" sei, was manche LeserInnen auf den Webseiten der Zeitung zu einem Beweis dafür, dass die SoldatInnen in irakischen und nicht iranischen Gewässern waren weiterspinnen. So einfach wird es wohl nicht sein, da man sich ja fragen muss, was eine Regierung für Optionen hat, vor deren Küste US-Kriegsschiffe und Co. bereits jetzt eine Präsenz haben, die jener von 2003 gleichkommt (dabei sind die USS Nimitz und andere Schiffe erst auf dem Weg in den Golf).

Auch im abgeschotten Iran weiss man, dass mit einem gefakten Dossier über angebliche Massenvernichtungswaffen des Irak die britische Unterstützung des amerikanischen Krieges gesichert wurde. Die Briten unter Tony Blair waren stets die wichtigsten Verbündeten der USA. Längst ist weltweit bekannt, dass nach russischen Beobachtungen ein amerikanischer Angriff auf den Iran unmittelbar bevorsteht (das Ende des Kalten Krieges darf uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass Russland nach wie vor sehr daran interessiert ist, was in seiner Nähe in Reichweite fremder Missiles vor sich geht).

Inzwischen ist auch in Kuwait davon die Rede, diesmal jedoch unter Berufung auf Quellen in Washington. Der Präsident eines Landes, das bald von der grössten Militärmacht der Erde angegriffen werden kann, wird jede Gelegenheit nutzen, um dieser Macht Unterstützung zu entziehen. Und genau das ist mit der medialen Inszenierung passiert, zu der auch eine freundliche Verabschiedung von den Gefangenen gehörte, die in alle Wohnzimmer übertragen wurde, noch ehe britische Vertreter bereit waren, vor die Kameras zu treten. Jetzt dürfte es Tony Blair, der längst Bliar genannt und dessen Ergebenheit gegenüber Bush in Karikaturen als hündische Unterwerfung gezeigt wird, sehr schwer fallen, eine immer noch mögliche US-Attacke zu unterstützen...

Auf der Website des britischen Abgeordneten George Galloway lesen wir, dass es auch britische Gefangene gibt, um die sich keine Regierung schert, und die erst nach Jahren freikommen:
UK man released from US detention camp in Guantanamo without charge after having been held for almost five years, leaving behind nine British residents who remain prisoners in Guantanamo Bay, including his best friend who lived in north-west London. Aber wie sang Reinhard May zu Beginn? Es ist alles okay in Guantanamo Bay....

1 Kommentar:

Markus hat gesagt…

Die Behauptung, dass die USA einen Angriff auf Iran planen, entbehren (glücklicherweise!) derzeit jeglicher Tatsachen. Erstens wäre das US-Militär dazu im Moment gar nicht imstanden. Zweitens ist es zwar einfach mit der Schuldzuweisung auf eine Person Ängste zu verstärken und Gerüchte zu nähren, doch auch ein Bush kann nicht tun und lassen, was man ihm unterstellt zu wollen: nämlich regime change via GIs. Und drittens: Wozu hätte man sich im Irak so hart bemühen sollen, die Massenvernichtungsstory glaubhaft vorzutragen, um fünf Jahre später mir nichts dir nichts ins Nachbarland einzumarschieren?