04.10.06

Säbelrasseln in Wien

Eifrig werden Säbel gerasselt, wovon wir nur etwas merken, wenn Medien darüber berichten beziehungsweise wenn wir parteipolitisch aktiv sind oder über Politik berichten. OHNE Berichterstattung wären die Gesten, mit denen sich SPÖ und ÖVP wechselseitig bedenken, wohl kaum wirkungsvoll. An Erwähnung schließen sich Reaktionen der Gegenseite (und von anderen, die mitspielen wollen) an und auch mediale Kommentare. So kann das Spiel endlos weitergetrieben werden und genau so entstehen auch Images von Politikern (innen). WEIL Medien so über ihn (sie) schreiben, ist er (sie) "so", wird dann in einer Partei kolportiert. Handelt es sich um wenig Schmeichelhaftes, ist jemand, über den so geredet wird, natürlich verunsichert und nicht locker und offen im Umgang mit anderen. Prompt wird das Image bestätigt und erfährt durch (medial zitierte) Aussagen von Parteimitgliedern weitere Plausibilität. Bald gibt es dann außer engen Freunden und kritischen Geistern kaum mehr jemanden, der nicht jede Charakterisierung einer öffentlichen Person für bare Münze nimmt, und das Verhängnis (für die Person) kann seinen Lauf nehmen.


Einschub @ Welttierschutztag: eher unbemerkt erinnern Tierschutzorganisationen an das Aussterben vieler Arten, an die Mängel bei erlaubter "Nutz"tierhaltung, an "Schlachtvieh"transporte und an das Schicksal ausgesetzter Haustiere. Gandalf ist eine von tausenden diesen Sommer in Österreich ausgesetzten Katzen. Er wurde von meinem Kater Athos in Lassie-Manier gerettet (Athos sass klagend im Gebüsch, bis die besorgte Zweibeinerin hineinkroch und wich seinem neuen Freund nicht von der Seite) und ist unheimlich lieb und anhänglich (und inzwischen natürlich kastriert).

Links @ Tierschutztag: Vier Pfoten und Tierschutz in Wien, u.a. mit Tiersuchseiten....


Journalistische Erfahrung? Nein, hier spricht ein ehemaliges Mitglied einer der Parlamentsparteien, das dieses "Spiel", das für die Betroffenen verdammt ernst ist, mehrmals mitgekriegt hat. Ich bin Stereotypen zwar selber nicht aufgesessen, habe aber die Wirkung beobachtet. Ich schätze mal, Alfred Gusenbauer wird sich vor medial ausgelösten / unterstützten Dynamiken in Acht nehmen müssen. Und nun will ich nicht schwarz (sic!) malerisch unterwegs sein und Verhandlungsoptionen der SPÖ durch allzu viel Realismus minimieren. Dennoch ist die "Verweigerungshaltung" der ÖVP noch vor dem tatsächlichen Wahlergebnis (inkl. Wahlkarten am 9.10.2006) bereits die erste Runde im Poker um die Macht. Ist daher auch eine zentrale Frage in Der Sieg des Pyrrhus (2) . Das Ganze scheint übrigens "reine Männersache" zu sein, da nur die toughe Salzburger Landeshauptfrau Gabi Burgstaller strategische Kommentare (jedenfalls in den Medien) abgibt. Verhandeln tun Frauen und Männer, das ist seitens der SPÖ jedenfalls klargestellt, und es wird bei der ÖVP auch nicht anders gehandhabt. Richtungen und Flügel scharen sich jedoch, sei eine Partei rot oder schwarz, um Männer....

Heute vor 20 Jahren war für die Grünen ein entscheidender, besser einschneidender Tag bezogen auf damals vorverlegte Nationalratswahlen. In Wien wurde eine Liste demokratisch gewählt, die dem (seither) Dauerabgeordneten Peter Pilz nicht passte, da er nicht an wähbarer Stelle gereiht war. Man bezichtigte die Wählenden des Putsches und setzte mit dem Druckmittel Freda Meissner-Blau (Galeonsfigur inmitten männlicher Ränkeschmiede) eine andere Liste durch. Ich war damals bei den steirischen Grünalternativen und weiss noch gut, dass einige wie gelähmt waren vor Schock. Die in Wien Hinausgeekelten konnten nichts anderes tun, als gegen die Grünen zu kandidieren - dass ich meinte, die in Wien hätten es gut, weil sie eine Alternative haben, sprach sich bis in die Hauptstadt durch. Es war so: wir hatten ziemliches Bauchweh bei unserer Stimmabgabe, da wir fühlten, dass hier eine Grenze überschritten wurde, ein ungeheurer Tabubruch begangen wurde, der für die Zukunft der Grünen nichts Gutes verheißt.

03.10.06

über den Tellerrand hinaus...

In Österreich zeichnen sich nun Kolaitionsverhandlungen ab, dh. es wird medial abgecheckt, wo Positionen und Wahversprechen zwischen SPÖ und ÖVP unvereinbar sind. Besonders schwierig wird es wohl in der Eurofighter-Frage werden. Die SPÖ inserierte zuletzt "Sozialfighter statt Eurofighter", während die ÖVP mit dem Ankauf der Kampfflieger aus europäischer Produktion ein Bekenntnis zur Neutralität verband. Fragt sich, wie teuer ein Vertragsausstieg wäre - wenns zu kostspielig wird, kann die SPÖ die Schuld ja dem Koalitionspartner zuschieben....

Weitere SPÖ-Pläne, die Geld kosten: Grundsicherung von 800 Euro, die etwa jenen helfen soll, die von ihrer Arbeit nicht leben können (sinnvoll!), Abschaffung der Studiengebühren und Gesamtschule (gegen die die ÖVP im Prinzip nichts hat, wenn "Vielfalt" erhalten bleibt). Die Grünen sind inzwischen mit dem Ergebnis, das sie nicht zu den möglichen Mitregierenden rechnet, ziemlich zufrieden. Sie rechnen damit, dank Wahlkarten mit der FPÖ zumindest in Mandaten gleichzuziehen, wenn sie die Partei nicht an Stimmen überholen. Man werde "führende Oppostionspartei" sein, also ist das Nichtmitregieren-Können nicht weiter schlimm.

Grüne auf Platz 3 bedeutet Anspruch auf dritte/n NationalratspräsidentIn, ein Job, für den die Grünen des öfteren (erfolglos) kandidierten, um Bewerber aus der nationalen Ecke zu verhindern. Fix ist, dass Barbara Prammer (SPÖ), ehemals Frauenministerin und bislang 2. Nationalratspräsidentin, nun mehr die erste Präsidentin sein wird. In Österreich also bis zur Wahlkarten-Auszählung am 9. Oktober, nicht viel Neues. Interessant ist, wie sich der Umgang mit "Sieger" Gusenbauer verändert hat und wie anders man dem "Verlierer" Schüssel begegnet. Anführungszeichen deshalb, weil beide Großparteien Stimmen verloren haben, die ÖVP-Verluste allerdings ein Vielfaches des SPÖ-Minus betragen.

Analysiert wird das überraschende Resultat nun so, dass Schüssel eben volksfern agierte, während Gusenbauer volksnahe unterwegs war. Wenn das jemandem schon vorher aufgefallen wäre, dann wäre das Wahlergebnis nicht so verblüffend gewesen. Für mich sieht es eher so aus, als wären Würfel verwendet worden. Mal fallen sie so, mal fallen sie eben so. Besonders volksnahe kann eine Partei ja nicht sein, bei der bis vor kurzem Mitglieder und Funktionäre willkommen waren, die sich schamlos bedienten und Milliarden in den Sand setzten (Bawag, ÖGB). Will heißen, dass nicht nur Programmatisches a la "Wohlstand gerecht verteilen" erforderlich ist, sondern auch Menschenkenntnis und Umsetzung der eigenen Grundsätze im internen Bereich.

Bei der ÖVP findet man hingegen demonstratives Festhalten an Schüssel, der zumindest die Koalitionsverhandlungen führen soll. Was er ja, wie wir wissen, ziemlich raffiniert zu bewerkstelligen weiss. Erinnern wir uns an die Verhandlungen mit der FPÖ im Jahr 2000 oder an das Scheitern der Verhandlungen zwischen ÖVP und Grünen im Jahr 2002. Bei Letzerem wird oft den Grünen der Vorwurf gemacht, diese Chance verpaßt zu haben (gerade jetzt wieder, wo es sich rein rechnerisch mit niemandem ausgeht). Vielleicht hätte die ÖVP ja auch mehr Entgegenkommen zeigen müssen, statt sich als gefinkelte und viel routiniertere Verhandler zu profilieren? Offenbar soll nun ähnlich wie 1999/2000 hart verhandelt werden. Seitens der ÖVP heißt es, man habe in der Regierung wenig zu gewinnen, beziehungsweise, dass man wenn, dann nicht "billig" zu haben sei.

Angesichts der plötzlichen medialen Lobhudelei auf Gusenbauer, der doch eben noch unbeholfen und hölzern, gar mit Resopal-Charme versehen war, habe ich etwas "Ehrliches" zur Situation nach der Wahl geschrieben: Der Sieg des Pyrrhus (1), Unüberbietbar ist die Wende von Österreich, wo aus "Gusis" Aussage, er jogge u.a. wegen 108 kg, was Übergewicht bedeute, im Wolfgang Fellner-Kommentar "108 kg Übergewicht" wird. Wollen die einen sozialdemokratischen Kanzler mit null (politischem) Gewicht? Auch "Gusis" Tochter Selina, immerhin 14 Jahre alt, wird sich schön bedanke dafür, dass "Österreich" sie zur "kleinen Tochter" macht....

Blick über den Tellerrand: letzte Woche veranstaltete die Amerikanische Botschaft eine Konferenz "The US Image And The Media", über die ich bei den CeiberWeibern berichte. Interessant war, dass Gäste aus den USA voll auf der Höhe der Zeit waren, was mediale Veränderungen durch Internet, Blogs, Podcasts, Youtube und Webradio betrifft. Sie waren auch selbstkritisch hinsichtlich der MedienkonsumentInnen in ihrem Land, die nun mal überwiegend wenig Ahnung davon haben, was in anderen Teilen der Welt vor sich geht. Allerdings ist es hier wie dort eine Minderheit informierter Menschen, die sich selbst all das besorgen, was sie interessiert. Nimmt man für bare Münze, was österreichische Medienleute dort sagten, dann sind sie erstens die besten JournalistInnen der Welt und zweitens die ÖsterreicherInnen besonders aufgeklärte KonsumentInnen.

Österreichische Medienleute gefallen sich in einer Rolle als "gatekeeper", weit über das normale Mass der "Selektion" hinaus. Natürlich schreibe auch ich nicht alles, was es über eine Veranstaltung, ein Ereignis, eine Wahl zu berichten gäbe. Dies ist aber eine Auswahl durch Rahmenbedingungen: niemand kann überall sein, alles mitkriegen, alles mitschreiben (auch Transkripte nach mp3-Aufnahmen wären mäßig interessant, da viel zu lang - und sie würden auch viel Arbeitszeit erfordern). Ich bin aber keine "gatekeeperin", die anderen vorschreibt, was sie NICHT lesen dürfen, womit sie sich NICHT befassen sollen. So handhaben die "Ösis" aber beispielsweise das 9/11 Truth Movement, das für sie taxfrei aus "irren Verschwörungstheoretikern" besteht. Außer mir macht sich niemand die Mühe, dazu mal zu recherchieren und dann etwas zu schreiben, das auf viele Quellen verweist (siehe langer Artikel. Die Arroganz der werten KollegInnen ist aber fast amüsant, wenn etwa Michael Freund vom Standard offenbart, dass er an die "magische Kugel" glaubt, die im Zickzack-Kurs Präsident Kennedy tötete und auch andere Menschen traf.

English: After the elections coalitios are debated; the only possible version is Social Democrat / Conservative. This makes it "expensive" for the winning Social Democrats - who were no winners in the exact sense but lost far less votes than the Conservatives. Although nobody has guessed that the Social Democrats would win the media comments now attribue to Gusenbauer being closer to ordinaray people than his rival Schüssel.

Last week the US Embassy held a conference on "The US Image And The Media" were blogs and changes in the media sphere were in the focus. The guests from the US were critical, the guests from Austrian media were arrogant. But while US mainstream media begin to cover the findings of the 9/11 Truth Movement this is still a "red line" that almost no Austrian journalist dares to cross - I had to say this as I'm the only journalist here which is open for the Movements' arguments.

02.10.06

2006 wie 2000?

Nach der Wahl kehrt Ernüchterung ein, denn die siegreiche SPÖ hat derzeit nur eine Koalitionsoption, mit dem Verlierer ÖVP. Was bedeutet, dass die Schwarzen die Sache recht "teuer" machen können beziehungsweise sich die Hintertür geheimer Verhandlungen mit Blau und Orange offenhalten können. Sowas hatten wir ja schon anno 2000, und diesmal konnten die Blauen getrennt marschieren, mit doppelter medialer Aufmerksamkeit, um dann vereint zu schlagen. Absurd? Nun, beim Lesen von nach der Wahl 1999 Geschriebenem stellt sich ein déjá vu-Effekt ein.

Beispielsweise beim Interview mit Barbara Prammer, zu diesem Zeitpunkt noch Frauenministerin, bei einer Tagung von Frauenprojekten Mitte Oktober 1999. Ich habe danach eigentlich gesucht, weil auch diesmal Frauen Rotgrün gewählt haben (und Männer schwarzblau) und ich mich zu erinnern meinte, dass Prammer dazu damals etwas sagte. Der Spielraum für Frauenpolitik wird heute nicht wesentlich größer sein als vor sieben Jahren, als die SPÖ mit der ÖVP verhandelte.

Sehen wir uns den Wahlkampf im Jahr 2002 an, so war damals mehr von Frauenpolitik die Rede - einerseits mehr Aufmerksamkeit für die Kandidatinnen, andererseits auch mehr Initiativen, um frauenpolitische Vorstellungen beizeiten unters Wählerinnenvolk zu bringen.

Keine Frage, dass Rot und Grün in Sachen Frauenpolitik recht eng beisammen liegen, sicher mehr möglich ist als bei Rot und Schwarz. Erinnert sei hier an die Erfahrungen von Johanna Dohnal, die sie beispielsweise vor ein paar Wochen bei der Diskussion Welche Frauenpolitik braucht Österreich? schilderte. Frauenpolitik sei in einer großen Koalition ein "Nullsummenspiel", da die ÖVP stets jede Maßnahme durch Familienpolitik "ergänze".

Rot und Grün ist jedoch erstmal "gegessen", da das BZÖ durch die Wahlkartenstimmen hinausfallen müßte, was als sehr unwahrscheinlich gilt. Manche freut dies auch in den Grünen, da es anscheinend ein erhebendes Gefühl ist, nicht vom Fleck zu kommen. Andererseits könnte die nächste Wahl-Bewährungsprobe früher anstehen als manchen lieb ist, da schon mal eine große Koalition nach einem Jahr scheiterte (1995) und theoretisch passieren kann, dass niemand eine Regierung zustande bringt. Derlei soll in manch einem anderen Land schon des öfteren geschehen sein.

Am Tag vor der Wahl war ich in meinem Bezirk unterwegs, zu zwei Flohmärkten, einer davon in einem berühmt-berüchtigten Gemeindebau, der Per Albin Hansson-Siedlung. "Jede/r fünfte da wird morgen FPÖ wählen" war ein unvermeidbarer Gedanke, der das Vergnügen ambivalent gestaltete. Tatsächlich erzielte die FPÖ in Favoriten 20%, als zweitstärkste Partei, während sich die Grünen gerade mal der 10%-Marke nähern, was für Wien wenig ist. Der offensive Kampf der FPÖ um den Viktor Adler-Markt als Zentrum des Bezirks, den Haider und Westenthaler begannen und den Strache fortsetzt, scheint sich zu lohnen. Und dies in einer multikulturellen Ecke des Bezirks, da gerade um den Markt herum Menschen verschiedenster Herkunft leben und arbeiten. Dass Favoriten ein schöner Bezirk ist, mit Grünoasen wie dem Wienerberg, dem Laaer Berg oder der Heuberggstätten, geht im Angstwahlkampf völlig unter...

01.10.06

Nun wissen wir's also

Das Ergebnis steht jetzt vorläufig fest, kann sich aber dank fast 400.000 Wahlkarten noch verschieben. Darauf hoffen besonders die Grünen, die dann das BZÖ aus dem Parlament drängen könnten. Derzeit sind Grüne und SPÖ gemeinsam vier Mandate von der zum Regieren erforderlichen Mehrheit entfernt. Alles hängt davon ab, ob das BZÖ die 4%-Hürde schafft, was ohne Wahlkarten möglich ist und 7 (oder 8) Mandate bedeutet.

Ergeben die Wahlkarten, dass anbetracht der Gesamtzahl an gültigen Stimen die 4%-Hürde nicht mehr übersprungen ist, dann kommen die Grünen wieder ins Koalitionsverhandlungsspiel. Das eigentlich Spannende an der Wahl ist, dass sie erst Tage danach entschieden sein wird. Ohne Wahlkarten läßt sich nur feststellen, dass die SPÖ die ÖVP überholt hat und letztere quer durch die Bundesländer konsequent mindestens 7% an Stimmen verloren hat. Nicht mehr so überraschend war das Abschneiden der FPÖ, die im Bundesschnitt klar vor den Grünen liegt. Die Van der Bellen-Truppe erklärt dies mit "Negativwahlkampf", in dem man kaum zu Wort gekommen sei. Allerdings waren auch die Botschaften der Grünen in Anzeigen und auf Plakaten negativ, da drauf stand, wofür sie NICHT stehen.

Hätte man nicht, dies auch an die Adresse von ÖVP und SPÖ, das "Ausländer"-Thema offensiv und positiv besetzen können, statt nur aus "Anstand" defensiv gegen die Hetze Position zu beziehen? Zumindest hätte man im Wahlkampf weniger klotzen können. Gespräche mit dem Wählervolk zeigen, dass gegen Ende des Wahlkampfes alle ziemlich sauer waren über die Materialschlacht, die ja mit Steuergeld bezahlt wird. Mit dem Nebeneffekt einer niedrigen Wahlbeteiligung, um 10% weniger gingen zu den Urnen als 2002. Das sei, so die Meinungsforscher, ungewöhnlich bei einer Wahl, für die ein knappes Ergebnis vorhergesagt wurde.

Vorläufig (20:30 Uhr) lautet dieses Ergebnis so: SPÖ 68 Mandate, ÖVP 66, FPÖ 21, Grüne 20, BZÖ 8. Theoretisch könnte sich Schwarzblau wieder ausgehen, in der Variante Schwarzblauorange, und theoretisch könnte Schüssel ("wenn wir Dritter werden, gehen wir in Opposition" anno 1999) wieder über die SPÖ triumphieren. Diese ist in keiner beneidenswerten Lage, das sie nur eine Koalitionsoption hat.

Am 24.9., eine Woche vor der Wahl, habe ich das "Prognosemittel" Tarot-Karten angewandt und abgefragt, wie es in genau einer Woche sein wird. Die Wahl an sich bedeutet Konzentration auf die Zukunft und Abkehr von der Vergangenheit, was einen Koalitionswechsel impliziert. Die SPÖ empfindet Freude und genießt Freundschaft, weiss aber nicht so recht, ob es ein Erfolg oder ein Mißerfolg ist, was für eine siegreiche, aber zugleich schwierige Situation steht. Die ÖVP muss klar sehen und findet ein Glück zerstört (dies konnte eine schwierige neue Konstellation ebenso bedeuten wie eine Niederlage). Auf die FPÖ kommt harte Arbeit zu und sie ist gefordert, zu einer gelassenen Haltung ohne Extreme zu finden (was nicht nur parlamentarische Arbeit bedeutet, sondern auch implizieren konnte, dass es eine Koalitionsmöglichkeit gibt). Die Grünen haben auch nach der Wahl Sehnsüchte (= Ziele nicht erreicht), befinden sich in einer festen Position, aus der heraus sie Herausforderungen annehmen können. Sie dürfen etwaige Koalitionsverhandlungen nicht verspielen, in dem sie diese nicht ernst nehmen. Für das BZÖ deutete alles auf gelöste Probleme und Harmonie mit der Umgebung, was ich als Schaffen der 4%-Hürde interpretierte. Liegt alles gar nicht so falsch :-)

PS: auch die "Konkurrenz" kommentiert schon, beispielsweise Martina Salomon in der Presse oder Andreas Unterberger in der Wiener Zeitung, der Wolfgang Schüssel schlicht zum Verlierer erklärt.

In Österreich wird gewählt / Elections in Austria

Alles wählt, bei zumindest in Wien bislang niedrigerer Beteiligung als bei der Wahl 2002.... Prognosen werden keine mehr erstellt; zeitweise wurden bis fast zuletzt Angaben von Meinungsforschungsinstituten bekannt gegeben, dann war zwei Wochen vor dem Wahltermin Schluss der Veröffentlichungen. Nun wird zuletzt eine Woche vorher die "Sonntagsfrage" publiziert, also "welche Partei würden Sie wählen, wenn jetzt Wahl wäre?".

Angeblich ist diesmal alles so knapp, dass nur "Schwankungsbereiten" abgedruckt werden. Diese sind dann größer, wenn eine Partei als "gross" zu bezeichnen ist. Schwankungsbreite vier Prozent mache, so Meinungsforscher in Interviews, bei ganz kleinen Parteien fast nichts aus. Dennoch hoffen die "Ganz Kleinen" auf Wunder (aus Sicht von Meinungsforschung und politischer Konkurrenz). Manche setzen auf Wahlbörsen, andere auf Wahlwetten. Würden diese von englischen Buchmachern umgerechnet auf tatsächlich zu erwartende Ergebnisse, läge die ÖVP weit vor der SPÖ.

Das Meinungsforschungsinstitut OGM unterstreicht die Zuverlässigkeit seiner Prognosen mit Hinweis auf Vergleichstabellen auf der Webseite. Ganz interessant, sie lagen wirklich immer nahe am Ergebnis - freilich zeigt sich auch, dass die Grünen nicht immer in Umfragen besser lagen als beim Ergebnis. Denn bei den EU-Wahlen sind die Prognosen regelmäßig 2% unter dem erzielten Resultat gewesen. Übrigens wird den Grünen gerade in Europafragen viel Kompetenz zugetraut, was in diesen Wahlkampf jedoch in keiner Weise eingeflossen ist.

Gerne wird "den Amerikanern" der Vorwurf gemacht, nicht über den Tellerrand des eigenen Landes zu schauen. So viel besser sieht's hier wohl auch nicht aus, sofern ein Wahlkampf und seine Themen irgendwie ein Indikator sein können. Wenn "Amerikaner" sich doch für Europa interessieren, dann wird dies gerne unter dem Aspekt von "Superpower"-Ambitionen der EU gesehen. The European Counterweight analysiert, dass die EU ein Gegengewicht zu den USA bilden will, ohne ganz auf dem Superpower-Klavier zu spielen.

Nunja, was europäische Konzerne in sog. Entwicklungsländern anrichten, kann sich durchaus mit dem Engagememt amerikanischer Unternehmen messen. Und es wird, beispielsweise in Lateinamerika, auch durch die Hegemonialpolitik der USA erleichtert. Der Artikel erklärt Unterschiede zwischen Europa und den USA teilweise verkürzt, etwa wenn die Abneigung gegenüber der Todesstrafe auf eine "barbarische Geschichte" der Alten Welt reduziert wird, als ob in Amerika nie etwas "Barbarisches" geschehen wäre.

Wenn jemand wirklich noch nicht weiss, wenn sie(er wählen soll, es gibt etwas andere Interviews auf der Webseite des ORF mit sieben Spitzenkandidaten, die in diesem Rahmen gleichberechtigt vorkommen (was bei den TV-Diskussionen ja nicht der Fall war)

English: Elections in Austria, the exit polls show "races" between the biggest parties but also between smaller ones. usually the last polls are published one week before the election day in order not the exercise influence. in earlier days polls were reported until short before the day and then until two weeks before. some trust bets or election stocks more than polls; if the bets are weighed by British experts the Conservatives are clear winners in front of the Social Democrats. The Green Party stands for being better in polls than in votes but there is one exception: all European Parliament elections show 2% more votes than figures in the polls before. Unfortunately the Greens didn't make use of being estimated highly in European politics in this election campain. European politics (and the world outside the country in general) played a small role in all campains. On the other hand "the Americans" are often seen as narrow minded and not interested in Europe, the possibly arising next "superpower".

29.09.06

Eine Veranstaltung, zwei lange Berichte.... / One Meeting, two long articles

Sollte eigentlich mehr werden heute, auch darüber, warum ich unbedingt auch bloggen "muss". Allerdings war ich heute bei einer Veranstaltung und hab mich dann hingesetzt, um zwei lange Berichte über das zu schreiben, wo ich am Abend davor war. Deshalb nun keine langen Worte, morgen kommt mehr, auch weil es bei dem Termin heute unter anderem um Blogs ging.

Meine heutigen Artikel haben mit den Wahlen zu tun:
1. es gab eine Diskussion mit Barbara Prammer (SPÖ), Maria Rauch-Kallat (ÖVP). Eva Glawischnig (Grüne) und Magda Bleckmann (BZÖ), die eigentlich am Anfang des Wahlkampfes hätte stehen müssen. Wären die Frauen jene, die in den Parteien die Richtung allein oder maßgeblich bestimmen würden, liefe wohl einiges anders. Was bei der Diskussion so alles eörtert wurde? Siehe
Diskussion der Kandidatinnen

2. Danach luden manche der "Wahlwerbenden" zum gemeinsamen Fernsehen bei Buffet und Getränken, was den Pflichttermin TV-Diskussion der Spitzenkandidaten zu einem recht angenehmen Event macht. Man kriegt so viel besser mit, wie etwas auf andere wirkt. Interessant fand ich, wie viel Beifall der grüne Spitzenkandidat Alexander van der Bellen beim SPÖ-Publikum bekam. Obwohl mich mittendrin mein Kugelschreiber im Stich ließ und ich erst einen Ersatz organisieren mußte, habe ich doch viel mitgeschrieben. Somit wurde es langer Bericht, aus dem die Positionen von Wolfgang Schüssel (ÖVP), Alfred Gusenbauer (SPÖ), Alexander van der Bellen (Grüne), Heinz Christian Strache (FPÖ) und Peter Westenthaler (FPÖ) ganz gut hervorgehen:
Fünf Männer und eine Diskussion

English: I wanted to write something about my reasons for blogging but I've pretty much to do now. Today I was at an event where blogging was a topic - I will report on it tomorrow. Then I had to write two articles from the evening before both concerning the Austrian elections. One is about a debate on women's issues with female candidates, the other about watching a TV discussion of the (male) party chiefs together with members of one party.

- und noch ein paar Tipps von anderen Webseiten / ... and also some tipps from other websites:

1. Gerhard Wisnewski, deutscher Autor, hat einen Piloten zu 9/11 interviewt. Sehr interessant, ausführlich und selten, weil sonst allenfalls nicht mehr aktive Piloten Stellung nehmen. / The German author Gerhard Wisnewski has interviewed a pilot on 9/11. It is very interesting and goes into details, a rare opportunity as usually only retired pilots speak out see
Airline-pilot glaubt nicht an die offizielle Version Airline pilot doesn't believe the official version

2. Hugo Chavez wurde nach seiner "Rise up against the Empire"-Rede vor den Vereinten Nationen von vielen gefeiert - und auf Webseiten der kritischen Communities rumgereichnet mit Text und Video -, aber auch für den "Affront" gegenüber den USA angegriffen. Ich empfehle hierzu zwecks Urteilsbildung eine irische Dokumentation, die eigentlich über Venezuela und Chavez berichten sollte, jedoch in den Putsch gegen Chavez im April 2002 hineingeriet. (I recommend an irish documentary about the coup against Hugo Chavez to all those who feel offend by the "Rise up against the Empire"-speech at the UN in september).

Außerdem / also: Greg Palast über Hugo Chavez - und das könnten doch auch andere Präsidenten nachmachen: Alo Presidente, die Fernsehshow von Chavez / Hugo Chavez has a TV show of his own, "Hello President"; would be a good idea for other presidents :-)

und noch was....

ich informiere mich seit 1999 über internationale themen via internet. damals begann im märz der kosovokrieg und ich erinnerte mich an den golfkrieg 1991, wo wir eifrig demonstrierten, aber wenig infos hatten. wir wußten, dass es keinen "chirgurisch sauberen" krieg geben kann, wie auf CNN immer behauptet wurde. später stellte sich heraus, dass diese einschätzung stimmte. ich dachte dann, in zeiten des internet kann man ja wohl einiges selbst recherchieren und daraus wurde dann ein "kriegstagebuch" siehe
http://www.ceiberweiber.at/natowar

wichtige webseiten, besser gesagt plattformen, die eigene artikel posten, aber auch einen überblick im generellen sinn geben, waren damals schon
Common Dreams, Antiwar.com
und Global Research.

Heute sind diese Seiten im Design aufgepeppt, eh klar, im Web hat sich viel verändert. In gewisser Weise waren sie Vorläufer von Loose Change und anderen "Massenphänomenen".



- das ist ein stimmungsbild aus wien :-)